Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

predigten-2019:2019-06-09 [2019/06/09 14:36] (aktuell)
michael angelegt
Zeile 1: Zeile 1:
 +===== Predigtgedanken,​ 09.06.2019 (Pfingsten) =====
 +{{:​predigten-2019:​2019-dreifaltikgeitsikone.jpg?​direct&​320 |}}
 +Liebe Mitchristen,​
 +
 +Gott ist Geist sagt uns der Apostel Johannes (Joh. 4, 24), weder an unsrer Zeit noch an unsere räumlichen Vorstellungen gebunden und die, die ihn wirklich anbeten wollen, müssen das im „Geist und in der Wahrheit“ tun. Deshalb war es im Alten Testament verboten, sich von Gott ein Bild zu machen, weil niemand sagen konnte, ob dieses Bild Gott entsprach oder etwa eine Gotteslästerung war.
 + 
 +Erst mit der Menschwerdung,​ hat Gott sich uns in seinem Sohn Jesus Christus gezeigt, hat der für uns bis dahin unsichtbare Gott sein Gesicht gezeigt.
 +
 +Und wenn Jesus sagt, „wer mich sieht, sieht den Vater“, dann haben wir auch ein Bild vom Heiligen Geist. ​
 +Der Malermönch Andrej Rubljow hat dies auf seiner bekannten Ikone von der Heiligen Dreifaltigkeit zum Ausdruck gebracht.
 +
 +
 +Durch die Menschwerdung Jesu können wir uns nicht nur ein Bild von Gott machen, wir verstehen auch, dass wir selber von diesem Bild abstammen, das wir ein Abbild der Liebe Gottes sind, von ihm gewollt und ins Leben gerufen.
 +
 +Wenn wir uns also ein Bild von Jesus anschauen, dann ist das eine Gottesschau,​ wir schauen auf ihn von „Angesicht zu Angesicht“,​ vom Geschöpf zum Schöpfer, vom Geliebten zum Liebenden. Wir verehren sein Bild und empfangen so von ihm Gnade und Segen.
 +In Jesus Christus sehen wir unseren Erlöser und den Vollender unseres Lebens, der uns wieder jene Würde zurückerworben hat, die uns im Paradies geschenkt wurde.
 +
 +Liebe Mitchristen,​
 +
 +Pfingsten ist für uns nicht machbar, dieses innere, persönliche berührt sein von Gott, kann niemand von uns machen. ​
 +Es ist auch keine Folge unserer religiösen Erziehung, kein Ergebnis unserer Bildung.
 +Pfingsten ist die Antwort Gottes auf den betenden, auf den ihn liebenden Menschen.
 +Sind es nicht die betenden Jünger, die um Maria versammelt im Abendmahlsaal diese Kraft von oben, dieses berührt sein im Herzen, verspüren?
 +
 +Vor kurzem erzählte mir eine junge Frau, wie sehr sie während ihrer Firmung vom Heiligen Geist berührt wurde, wie sehr sie die Liebe Gottes dabei in ihrem Herzen spürte.
 +Ja wir können das Wirken des Heiligen Geistes erleben, ungeplant, nichts ahnend, plötzlich und unvorhergesehen,​ weil es uns geschenkt wird.
 +Damit will uns Gott sagen: „Ja, ich bin da, ich bin Wirklichkeit!“
 +Und der, der von Gott so beschenkt wird, der weiß: „Ich brauche mir nichts darauf einzubilden,​ es ist nicht mein Verdienst, es ist ein Geschenk seiner Liebe.“
 + 
 +Und ich kann ihnen auch eigener Erfahrung sagen, dass dieses berührt sein vom Heiligen Geist nicht nur ein schönes Gefühl ist, es ist ein geliebt sein, das den, der es erfährt, vom Herzen her froh macht.
 +Eine Kraft, die mich auch dann trägt, wenn ich mit Gott hadere, wenn ich seine Vertrautheit oder Nähe eben nicht mehr spüre, wenn mein Herz keine Ruhe findet.
 +
 +Der Heilige Geist ist in unserem Leben nicht ein ständiges Brausen vom Himmel her, das wie ein heftiger Sturm daherkommt, so wie die Jünger ihn an Pfingsten erfahren haben.
 +Nein, Gott ist oft verborgen da, so wie das sanfte, leise Säuseln des Windes, von dem uns der Prophet Elija im Alten Testament berichtet.
 +
 +Er ist die stille Macht und verborgene Kraft, die in uns lebt und uns zum Guten anregt.
 +Der Lobpreis Gottes ist eine Gebetsform, mit der wir den Heiligen Geist ansprechen und von ihm seinen Segen und seinen Beistand erbitten.
 +Ich habe aber auch höchsten Respekt vor den Menschen, die sich auch während des Tages die Zeit nehmen, um ganz bewusst, vielleicht zwischen einem Einkauf oder bei einem Spaziergang,​ die Kirche aufsuchen und hier vor Gott still werden.
 +Wir merken dann, wie sich alles oft nur um unser „ich“ kreist und wir so der Liebe Gott keinen Zugang zu unserem Herzen ermöglichen.
 +
 +Lassen wir diese persönliche Beziehung wieder lebendiger werden und nehmen wir uns die nötige Zeit dazu, so geben wir dem Heiligen Geist den nötigen Raum in unserem Herzen, um auch uns mit seiner Liebe anzurühren. ​
 +
 +Amen. 
 +
 +:​sfoot:​Bild:​ Von Andrei Rubljow - The Yorck Project (2002), Predigt: Pfarrer Stephan Meßner:se:
 +