Predigtgedanken, 2019 (21. Sonntag im Jahreskreis)

Lukas 13,22-30: In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

ist das nicht ein hartes Evangelium, das uns Jesus heute zumutet? „Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid!“ Das passt doch so gar nicht in unsere heutige Zeit, ist das denn frohe Botschaft?

Darum möchte ich auch gar nicht auf der Frage herumreiten, wer in den Himmel kommen wird und wer nicht, denn das ist nicht meine Aufgabe, das entscheidet allein Gott und sonst niemand. Vielmehr bewegt mich die Frage: „Wie stelle ich mir dieses Leben im Reich Gottes vor, wie würde ich gerne dort leben?“ Denn es reicht ja nicht aus, dass ich sage, alle werden von Jesus gerettet werden und kommen dann in den Himmel.

Die viel spannendere Frage lautet: „Will ich denn da einmal leben und vor allem wie?“ Diese Entscheidung kann uns nämlich niemand abnehmen. Wenn wir uns so das alltägliche Leben anschauen, dann gibt es sicherlich vieles, was wir gerne mitnehmen würden, aber auch so manches was wir lassen wollen. „Jesus ja, Kirche nein - Glaube ja, Gebote nein - Katholik ja, katholische Lehre nein“, diese Lebensweise ist heute weit verbreitet. Wird im Reich Gottes mein Leben Christus gehören oder möchte ich es für mich behalten? Werde ich mich für ihn entscheiden oder will ich so einiges weiterhin ohne ihn bestimmen dürfen?

Auch im Himmelreich werden wir einen freien Willen haben und Gott, der jedes Herz kennt, wird meinen freien Willen nicht beugen. Darum ist der Ruf Jesu im heutigen Evangelium ein Ruf zu einer Entscheidung. Denn zum Gerettet sein, gehört auch das Gerettet sein wollen! Ich weiß nicht, ob das Vorzeigen des Taufscheins am Himmelstor von Bedeutung sein wird?

Denn die Aussage Jesu „ich weiß nicht woher ihr seid“, steht ja im direkten Zusammenhang mit der Antwort, „wir haben mit dir gegessen und getrunken, du hast auf unseren Straßen gelehrt!“ Das war dann wohl noch nicht so ganz ausreichend! Habe ich mich schon für Jesus Christus entschieden, haben ich schon mein „Ja“ zu ihm gesagt? Bin ich bereit, mich von ihm verändern zu lassen, ihm nachzufolgen oder soll sich alles lieber um mich und meine Wünschen und meine Vorstellungen drehen? Letzteres wird im Glauben nicht geschehen, da bin ich mir ganz sicher.

Der Kirchenvater Irenäus von Lyon, der im 2. Jahrhundert lebte, hat dazu einen prägenden Satz gesagt: „Die Freundschaft Gottes ist es, die uns Unsterblichkeit schenkt, wenn wir uns um sie bemühen.“ Das Reich Gottes und die künftige Vollendung im Himmel setzen im Hier und Jetzt schon an, vielleicht unauffällig und ohne Sensation, aber das Glück bei Gott ist nicht losgelöst von unseren jetzigen Lebenserfahrungen.

In Bruchstücken wird bereits hier und heute erfahrbar, was Reich Gottes, was ewiges Leben ist. Himmel ist nicht etwas völlig Neues nach diesem irdischen Leben. Himmel kann schon hier und heute „aufblitzen“. Das Reich Gottes ist nicht Ersatz für das gegenwärtige Leben, sondern dessen Vollendung und Krönung.

Mit all unseren Fähigkeiten können wir hineinreifen in das Bild und Gleichnis, das der Schöpfergott mit uns vorhat. Das geht nicht aber nicht ohne unser Mittun und bleibt immer nur eine bedeutungslose Theorie, wenn wir uns nicht darauf einlassen. Eine theoretische Liebe und Freundschaft gibt es eben nicht. Darum bemüht euch ehrlichen Herzens, in der Liebe und Freundschaft zu Jesus Christus zu wachsen.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner