Predigtgedanken, 18.08.2019 (20. Sonntag im Jahreskreis)

Lukas 12,49-53: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter, und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

mit dem Feuer ist das so eine Sache! Feuer bringt Licht und Wärme, Feuer kann auch reinigen, etwa ein Metall und Feuer kann genauso gut zerstören. Im Sommer hören wir immer wieder von verheerenden Waldbränden, denn mit dem Feuer zu spielen, ist brandgefährlich Wo wir aber die Kraft des Feuers nutzen, wo wir sie unter Kontrolle haben, da ist uns Feuer angenehm und wohltuend.

Das Feuer ist schon im Alten Testament ein Mittel, das Gott nutzt, um sich dem Menschen zu nähern. Etwa am brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch, spricht er Mose an. In einer Feuersäule zieht er dem Volk Israel in der Wüste voran. Vom Propheten Elija wird uns berichtet, dass er mit einem feurigen Wagen zum Himmel aufgefahren ist.

Im Neuen Testament sind es die Feuerzungen, die an Pfingsten auf die Jünger herabkommen und ihre Herzen mit der Kraft und Liebe des Heiligen Geistes erfüllen. Auch wir nutzen in unserer Sprache den Begriff des Feuers, etwa, wenn „jemand Feuer und Flamme ist“ oder „Feuer gefangen hat“. Gemeint ist damit eine Leidenschaft für etwas, weil ich mich beginne zu interessieren, Zeit und Energie aufzuwenden. Aus diesem Grund beten wir zum Heiligen Geist, dass er in unseren Herzen das Feuer seiner Liebe entzünden möge, dass er in uns diese Leidenschaft für das Reich Gottes entfachen möge.

Und das soll dann ja dann nicht nur für uns alleine sein, andere soll er auch anstecken, begeistern und entzünden. So ist auch die Aussage Jesu im Evangelium zu verstehen: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ Diese Feuer, von dem er spricht, ist die Kraft und die Liebe des Heiligen Geistes, die, wenn sie in unseren Herzen brennt, die Leidenschaft für ihn in uns entfacht. Wenn ich mich als Christ ganz bewusst im Glauben entscheide, kann das in meiner Familie oder in meinem Umfeld ganz schnell zu Auseinandersetzungen führen.

An Christus und seiner Botschaft scheiden sich auch heute noch die Geister. Schauen wir doch nur einmal in die Politik, wie schwer es heute Politiker haben, wenn sie ein christliches Menschenbild authentisch vertreten, etwa gegen Abtreibung oder Euthanasie oder für die Familie als Mann und Frau.

Wer hier in der Öffentlichkeit mit seiner Überzeugung auftritt, dem bläst der Gegenwind ganz schnell ins Gesicht. Das gelebte Christentum ist und bleibt immer auch ein Stachel in unserer zunehmend säkularen Gesellschaft, weil hier die Gebote Gottes als Maßstab gelten. „Du gehst noch am Sonntag zur Kirche, du gehst zur Beichte, du betest jeden Tag, du spendest Geld für die Kirche, du engagierst dich in der Kirche?“ Wie schnell gelangen wir bei solchen Fragen in einen Streit, in eine Auseinandersetzung, vielleicht sogar in der eigenen Familie.

Jesus gibt uns durch das Wirken des Heiligen Geistes drei Dinge an die Hand, die uns hier wirklich helfen. Menschen, auch wenn sie nicht meiner Meinung sind, anzunehmen und ihnen möglichst liebevoll zu begegnen, mit der Bereitschaft ihnen zu Vergeben und für sie zu beten. Manchmal braucht man dafür einen langen Atem, den anderen seinen eigenen Weg gehen zu lassen, ihn trotz aller Schmerzen wieder anzunehmen und im Gebet zu begleiten, ihn sozusagen Gott anzuvertrauen.

Ob unter Ehepaaren oder zwischen Eltern und ihren Kindern, wenn einer den Weg mit Christus geht und sich vom Heiligen Geist entzünden lässt, kann das provokante Auswirkungen haben. Bleiben wir gerade dann in der Liebe und bitten wir den Heiligen Geist, dass er auch in ihren Herzen das Feuer seiner göttlichen Liebe neu entzünde und so die Spaltung überwunden wird.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner