Predigtgedanken, 10.08.2019 (Heiliger Laurentius)

Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

die Figur des Diakons Laurentius, die mittig auf dem Hauptaltar in unserer schönen Kapelle in Eschringen steht, zeigt ihn mit einem Rost und einer Bibel in der Hand. Der Künstler hat sich dabei etwas gedacht und aus der Geschichte, die wir von Laurentius kennen, zwei wichtige Attribute dargestellt. Der Rost in der einen Hand will uns sagen: „Schaut, was mir als Gläubiger zugemutet wurde, was man mit mir gemacht hat“. Er verweist uns aus sein Martyrium.

Und die Bibel in der anderen Hand: „Durch das Wort Gottes wurde mir Kraft, Trost und Hoffnung geschenkt.“ Beides gehört auch in unserem Leben zusammen, die Tage oder Stunden, wo es uns gar nicht so gut geht, wo wir vielleicht sogar mit Gott hadern, wo wir unser Leben eher als eine Belastung erleben. Und die Tage und Stunden, wo es uns eben richtig gut geht, wo wir aufatmen, uns herzhaft freuen können, an denen wir dankbar sind, das wir leben.

Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber, genauso wie Einsamkeit keine wirkliche Lebensqualität mit sich bringt. Laurentius sucht in einer Zeit, in der es verboten ist, auf der Straße sich als Christ zu zeigen, seine Leidensgenossen in ihren Häusern auf, er betet mit ihnen, er segnet sie und er hat ihnen sicherlich auch die heilige Kommunion gebracht. Er sorgt sich, greift finanziell unter die Arme, ermutigt im Glauben.

Auch wir können uns gegenseitig helfen, um den vielen Ängsten, die es auch heute gibt, der Einsamkeit oder der Vereinsamung und so vielem mehr, aktiv entgegenwirken. Gott mutet uns manchmal etwas zu, aber gibt uns auch das Werkzeug an die Hand, um es durchzustehen.

Der Apostel Paulus spricht dies in der Gemeinde von Korinth in der Lesung an: „Denkt daran: Wer kärglich säht, wird kärglich ernten; wer reichlich säht, wird reichlich ernten.“ Nächstenliebe ist nicht nur ein Wort, Nächstenliebe ist eine Lebenseinstellung und braucht immer auch die konkrete Tat.

Vorletzte Woche auf den Exerzitien in der Nähe von Wien, im Kloster Heiligenkreuz, kam das Thema „Hausbesuche“ zur Sprache. Etwa, dass man einen Flyer entwerft, auf dem sich Personen aus der Gemeinde vorstellen und sich bereit erklären zu Leuten in den Häusern zu kommen, die darum bitten und ihnen Hilfsdienste oder einen Besuchsdienste anzubieten.

Oder dass man in der Kirche Gebetskarten auslegt, wo auch außerhalb der Gottesdienste Besucher ihre Sorgen und Nöte aufschreiben können, sie in einen Gebetskasten werfen und wir für sie dann beten, etwa bei den Fürbitten. Ansätze haben wir ja schon, aber es gibt sicher noch sehr schöne Anregungen, dies auszubauen.

All das hat mich sehr nachdenklich gestimmt, weil wir ja auf dem jetzigen Weg immer weniger Menschen im Glauben erreichen. Aber dort, wo sie Sorgen und Nöte haben, da sind wir zumeist willkommen und können ihnen zum Segen werden.

Und genau hier setzt auch die Erfolgsgeschichte unseres Pfarrpatrons Laurentius an. Diakon Laurentius besuchte diese Menschen und gab so Zeugnis von der Liebe Gottes. Er versammelte eine Schar von Armen und Kranken, Verkrüppelten, Blinden, Leprakranken, Witwen und Waisen und präsentierte sie als „den wahren Schatz der Kirche“ dem Kaiser.

Diese Lebenseinstellung und sein Sterben in der Nachfolge Christi, prägten sich unter den Christen in Rom so tief ein, dass man schon von frühester Zeit an Laurentius als einen großen Heiligen verehrte. Kaiser Konstantin ließ über seinem Grab in Rom später eine Basilika erbauen.

Jesu Wort vom Weizenkorn spricht ein schlichtes Gesetz des Lebens aus: „Wer nicht teilt, verkümmert, wer sich nicht hingibt, bleibt allein.“ Auch in unseren Gemeinden gibt es solche „Kirchenschätze“ und vielleicht will Gott auch von uns, dass wir uns aufmachen und sie aufsuchen.

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner