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predigten-2019:2019-06-30 [2019/07/07 19:10] (aktuell)
michael angelegt
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 +===== Predigtgedanken,​ 30.06.2019 (13. Sonntag im Jahreskreis) =====
 +//**Lukas 9,51-62:**
 +Als die Zeit herankam, in der Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss er sich, nach Jerusalem zu gehen.
 +Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
 +Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
 +Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
 +Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
 +Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
 +Als sie auf ihrem Weg weiterzogen,​ redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
 +Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
 +Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
 +Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
 +Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.
 +Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt,​ taugt für das Reich Gottes.//
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 +{{:​predigten-2016:​messner120x150.jpg?​nolink&​120x150 |Pfarrer Meßner}}
 +Liebe Mitchristen,​
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 +wieder einmal sind es die Donnersöhne,​ Jakobus und Johannes, die mit provokanten Aussagen im Evangelium auffallen.
 +Dieses Mal wünschen sie sich, dass Feuer vom Himmel auf die Bewohnter von Samarien fallen soll, einer Volksgruppe,​ die das heutige Westjordanland damals besiedelte.
 +Der Stamm der Samariter entstand nach der Abspaltung der zehn Stämme Israels um 1000 vor Christus und begann nach und nach ihre jüdische Religion, mit der anderer zu vermischen.
 +Sie lehnten den Tempel in Jerusalem als Ort der Gegenwart Gottes ab und bauten sich ihren einen eigenen Tempel auf dem Berg Garizim, den sie nun für ihnen heiligen Berg hielten.
 +Auch sie erwarteten den Messias, aber nicht als ihren König, sondern als einen gewöhnlichen Propheten.
 +
 +Bis heute leben die sog. Samaritaner nach ihren eigenen Bräuchen und bleiben eine vom Judentum getrennte religiöse Gemeinschaft.
 +Jesus spricht öfters von den Samaritern, etwa als er der Frau am Jakobsbrunnen begegnet oder seinen Jüngern das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erzählt.
 +Aber die Völker der Juden und der Samariter waren untereinander verfeindet und nun sind die Jünger mit Jesus unterwegs zum Tempel in Jerusalem.
 +Dabei durchqueren sie das Gebiet der Samariter und bitten darum, dort übernachten zu können, was ihnen aber verweigert wird.
 +
 +Jakobus und Johannes sind wütend, weil man ihnen, die sie doch mit dem bekannten Rabbis Jesus unterwegs sind, hier keine kostenlose Unterkunft anbietet.
 +Sie fühlen sich in ihrer Ehre verletzt, da es unter den Wüstenvölkern Brauch war, sogar einen Fremden kostenlos zu beherbergen und für ihn zu sorgen, das Gebot allein schon die Gastfreundschaft.
 +Aber die Abneigung gegeneinander saß so tief, dass man diesen Brauch den verhassten Nachbarn verweigerte und umgekehrt.
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 +Auch Jesus, seine Botschaft und seine Jünger lehnen sie somit ab. 
 +„Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt?​“
 +Wir kennen das, wenn ein anderer Menschen einem unangenehm ist oder er genau den Fehler macht, auf den man schon lange gewartet hat, um ihn dann mit ganzer Härte betrafen zu können.
 +
 +Sie wollen es den Samaritern heimzahlen, ihnen zeigen, auf wessen Seite der wahre Gott steht und was er ihnen in ihrem Namen antun wird, wenn sie ihn darum bitten. ​
 +Wenn das Feuer, wie beim Propheten Elija vom Himmel auf die herabfällt,​ dann werden sie erkennen müssen, wer Jesus und seine Jünger sind und sich bei ihnen entschuldigen.
 +Doch Jesus weist Jakobus und Johannes zurecht, wörtlich heißt es, „er fuhr sie schroff an.“
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 +Wir wissen zwar nicht was er ihnen gesagt hat, aber es dürfte deutlich gewesen sein.
 +Er, der ihnen sogar die Feindesliebe gepredigt hat, dürfte über ihr Verhalten sehr enttäuscht gewesen sein.
 +Gericht über andere zu halten, das ist allein Sache Gottes und nicht ihre.
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 +Und er klärt sie darüber auf, wenn sie ihm nachfolgen wollen, dass sie mit Entbehrungen rechnen müssen und sich nicht vorher noch um alles Mögliche kümmern können, was ihnen auch noch wichtig erscheint.
 +Nein, wenn sie ihm nachfolgen wollen, dann muss es ihnen zuerst um ihn und das Reich Gottes gehen, sonst taugt ihre Nachfolge nicht.
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 +Auch für uns ist dies ein Weckruf Jesu, ich darf und soll mich immer wieder fragen: „Wie ist mein Glaube in mein konkretes Leben eingepflanzt?​“
 +An welcher Stelle steht Gott, kommt er unter den ersten 100 Dingen vor, die mir wichtig sind, unter den ersten 10 oder steht er ganz oben?
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 +Das macht eben den Unterschied für ihn, ob ich auf seine Liebe antworte, gelegentlich antworte oder auch einmal antworte, wenn mir gerade danach ist.
 +Müsste es uns nicht ein Herzensanliegen sein, dass andere Menschen durch uns Gott kennen lernen dürfen?
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 +Nachfolge bedeutet, sein Licht, seine Botschaft, seine Gegenwart jenen zu bringen, der ihren Erlöser noch nicht oder nicht mehr kennen. ​
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 +Amen.
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 +:​sfoot:​Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner:se:
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