Predigtgedanken, 23.06.2019 (12. Sonntag im Jahreskreis)

Lukas 9,18-24: In jener Zeit, betete Jesus für sich allein und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Christus Gottes. Doch er befahl ihnen und wies sie an, es niemandem zu sagen. Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden. Zu allen sagte er: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

als einen „Messias-Komplex“ bezeichnet man den Geisteszustand bei einem Menschen, wenn er von sich glaubt, dazu bestimmt zu sein, ein Erlöser zu werden. Größenwahn oder Selbstüberschätzung können dann die Folgeerscheinungen sein. Adolf Hitler soll so einen „Messias-Komplex“ gehabt haben, durch den er eine unvorstellbare Zerstörung auslöste und so seine narzisstischen und paranoiden Eigenschaften auslebte.

Vor kurzem habe ich von einem „Pflanzen-Messias“ gelesen, einem Spanier, der sich selbst als „verrückt“ bezeichnet, wenn er in seine Pflanzenwelt abtaucht. Barack Obama und dem kürzlich abgewählten Bundeskanzler von Österreich, Sebastian Kurz, wird ein „Messias-Image“ nachgesagt. Ja es gibt viele Menschen, die man mit den Vorstellungen eines Messias, eben eines Heilsbringers verbindet.

Aber im Evangelium stellt sich uns die Frage nach dem eigentlichen Messias, nach dem Erlöser, der diese Fähigkeit auch besitzt. Viele Namen hat man Jesus schon gegeben: „Friedensstifter, Menschenrechtler, Menschenfreund, Sozialreformer, Heiler“, um nur einige zu nennen. Und sicherlich spiegeln so manche Bezeichnungen auch Eigenschaften, die er vorgelebt hat. Aber sie greifen immer auch zu kurz, wenn wir nur seine menschliche Seite sehen und nicht an ihn als den Sohn Gottes glauben.

Konkret fragt Jesus Petrus, stellvertretend für alle, die ihm nachfolgen: „Und du, für wen hältst du mich?“

Vielleicht fällt ihnen Spontan ein Name ein, den sie mit Jesus von Nazareth verbinden: „Vielleicht ist er für Sie wie ein Freund, wie ein treuer Begleiter, wie ein guter Hirte, wie das Brot des Lebens, wie das Licht der Welt, ein König, der Erlöser, der Heiland, der Messias, der Sohn Gottes!“ Jesus verbietet Petrus und den Seinen, seine wahre Identität weiterzusagen, denn die Vorstellungen über den erwarteten Messias waren anders, als die Vorstellung- en Gottes. Jesus sagt von sich, „ich bin der Messias“, was auf Griechisch der „Christos“ und zu Deutsch „der Gesalbte“ heißt.

Für die gläubigen Juden sollte der Messias ihr neuer König werden, der sie anführt gegen die Römer, die ihr Land besetzt hatten und sie unterdrückten. Man ersehnte sich also einen politischen Messias, man würde heute wohl sagen, so einen Heilsbringer, der kampfbereit und mutig, sich dem gemeinsamen Feind entgegenstellt. Jesus verbietet den Jüngern diese falsche Vorstellung über ihn im Volk zu bestätigen. Er wird vielmehr als Messias der menschlichen Gewalt entgegentreten, sie ertragen und am eigenen Leib erfahren, wodurch er bei vielen als schwach und ungeeignet gelten wird.

Gekommen ist er nicht um Kriege zu führen oder zu beenden, sondern zum Heil der Menschen und für ihre Erlösung, damit ihnen das Leben bei Gott neu geschenkt wird. Das Johannesevangelium drückt seine göttliche Sendung aus: „Ich bin das Brot des Lebens, das Licht der Welt, die Tür, der gute Hirte, die Auferstehung und das Leben, der Weg, die Wahrheit und das Leben, der wahre Weinstock.“

Jesus Christus handelt als Gott, nicht als Prophet oder beauftragter Gottes. Er sagt nicht: „Ich vergebe dir im Namen Gottes die Sünden, so wie das der Priester in der Beichte sagt oder ich bete für dich, damit Gott dir deine Sünden vergibt.“ Er sagt: „Ich vergebe dir deine Sünden.“ Gottheit und Menschheit kann man bei ihm nicht trennen und genau das ist die Provokation, der er sich im Evangelium aussetzen muss, auch wenn „seine Stunde ist noch nicht gekommen!“

Der Gottmensch Jesus Christus, der Messias, der gesalbte Gottes, er wird immer eine Provokation bleiben, die auch wir als gläubige Christen aushalten müssen, gegen so viele Meinungen und Ansichten, Verdrehungen und falsche Deutungen seiner Person.

Aber wir glauben an ihn und rufen ihm mit Petrus zu: „Du bist der Messias, der Gesalbte, du bist der Sohn des lebendigen Gottes.“

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner