Predigtgedanken, 16.06.2019 (Dreifaltigkeitssonntag)

Johannes 16, 12-15: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.



Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

für andere einzutreten, für sie ein Opfer zu bringen, ihnen Zeit zu spenden, das widerspricht der weit verbreiteten Gewohnheit, selber genießen zu wollen, etwas zu gelten und zu den Gewinnern zu gehören. Der Konsum und der Materialismus suggerieren ja genau das, sie spornen uns an zum „absoluten Genuss“, die Werbung sagt uns immer wieder, dass wir nur dann etwas gelten, wenn wir dieses und jenes besitzen und sozusagen dann zu den Gewinnern gehören.

Und doch, so spüren wir dann in unserem Herzen, macht uns all das eben auf Dauer nicht wirklich zufrieden, glücklich oder erfüllt, oftmals macht es uns noch viel hungriger. Der Heilige Geist ist es, der uns dabei hilft, wenn wir ihn anrufen, durch unsere guten Werke, näher an diese heilende und erfüllende Gemeinschaft Gottes herangeführt zu werden. Denn die gelebte Liebe ist das einzige bleibende Argument, das wir Christen haben. Sie verweist uns direkt auf Jesus Christus hin, der sie uns vorgelebt hat. Sie ist die höchste Form der Selbsthingabe, die uns mit Gott und den Mitmenschen innerlich und äußerlich verbindet und so erfüllt.

Der Kirchenvater Augustinus beschreibt in seinen Bekenntnissen, als er über die Dreifaltigkeit Gottes schreiben wollte, dass er nachts einen Traum hatte. In diesem Traum stand er am Ufer eines Meeres und bemerkt am Meeresstrand ein Kind, das mit einer Muschel Wasser aus dem Meer schöpfte und in eine Sandmulde goss. Er fragt das Kind: „Was machst du da?“ Und es gab ihm zur Antwort: „Ich möchte das ganze Meer in meine Sandmulde hineinschöpfen.“

Da fiel es Augustinus wie Schuppen von den Augen. Genau so etwas Unmögliches versucht er ja auch, indem er mit seinem begrenzten Verstand, das Geheimnis des unendlich großen und die sein Herz übersteigende Liebe Gottes so erfassen wollte. Wer Gott so verstehen wollte, der müsste ja selber Gott sein.

Nein, wir können wir nicht so nicht verstehen, wir sind nicht er. Und machen wir oft nicht dann den Fehler ihn lieber zu ignorieren, anstatt ihn ehrlichen Herzens zu bitten: „Zeige dich mir doch, wenn es dich gibt, gib mir dich zu erkennen!“ Der Apostel Paulus drückt all das schon etwas verständlicher aus, wenn er über Gott sagt: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.“

Wir sind Teil seiner guten und faszinierenden Schöpfung, als Menschen dürfen wir uns sogar als die Krone seiner Schöpfung ansehen. Täglich können wir in ihr Neues entdecken und aus ihr lernen, immer wieder regt uns seine Schöpfung zum Staunen und Nachdenken an. Haben sie sich einmal gefragt, wer ich als Mensch für Gott bin, wenn er all das geschaffen hat, es bis ins Kleinste geplant und es mir zum Nutzen anvertraut? Warum tut er so etwas für mich, für uns als Menschen? In der Kirche haben wir eine einfache und plausible Antwort darauf: „Weil er uns liebt!“

Im heutigen Evangelium werden uns die drei göttlichen Personen beschrieben. Jesus, der menschgewordene Sohn Gottes, er spricht über den Heiligen Geist, bezeichnet ihn als unserem Beistand. Und er spricht von seinem Vater im Himmel, der ihn in diese Welt gesandt hat.

Jesus sagt uns im Evangelien, der Vater und ich sind ein, und wir beide stehen mit dem Heiligen Geist in einer lebendigen Beziehung, in einer Liebesbeziehung. Wir sprechen von der Schöpfung des Vaters, der Erlösung durch den Sohn und der uns erhaltende Kraft des Heiligen Geistes. Jesus Christus hat uns nicht nur die Liebe Gottes gebracht, er hat sie uns erwiesen, bis zum Tod am Kreuz.

Die Liebe ist es, die uns mit Gott zuinnerst verbindet, sie ist die Kraft die uns glauben lässt und Hoffnung schenkt, denn die Liebe hört nie auf.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner