Predigtgedanken, 02.06.2019 (7. Ostersonntag)

Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

was kann unseren Glauben gegenüber anderen Menschen anziehend und glaubhaft machen?

Ich denke dabei einmal zunächst an die Art und Weise wie wir miteinander umgehen. „Respekt, Anerkennung, Wohlwollen und Toleranz“, das sind Begriffe von denen wir gerne sprechen und die uns selbst sehr angenehm sind, gerade dann, wenn sie uns entgegen gebracht werden. Doch Jesus bleibt nicht allein bei diesen Umgangsformen stehen, er geht einen Schritt weiter. Seine Jünger sollen untereinander „eines Sinnes“ sein, sozusagen nicht nur „nett“ zueinander, sondern feststehen in dem einen, unerschütterlichen und gemeinsamen Glauben an ihn. So kann die Welt erkennen, wer seine Jünger sind.

Wenn sie sozusagen an einem Strang ziehen, eine Art geistige Einheit bilden, wie er sie mit seinem Vater und dem Heiligen Geist bildet, dann wird die Welt glauben, dass er der gesandte Gottes ist. Es ist die Einheit und die Einigkeit seiner Kirche, die uns anziehend und glaubwürdig macht, eben im Glauben an ihn.

Damals wie heute ist die Kirche vielen Gefahren ausgesetzt, schon in den Urgemeinden gab es Spalter und Verführer, von ihnen wird in den Texten des neuen Testamentes oft gesprochen. Paulus kämpfte etwa in der Gemeinde in Korinth gegen solche Tendenzen. Und jedes Jahrhundert brachte durch seine Veränderungen so manche Sekte oder Falschlehre hervor, die dann die ursprüngliche Einheit der Kirche bedrohte.

Auch wir leiden bis heute an der Spaltung mit der Ostkirche und den Reformierten Glaubensgemeinschaften. Durch dieses menschliche Versagen wurde das Gesicht der Kirche verdunkelt. Bei Gott aber gibt es keine Trennungen oder Brüche, Jesus ist eins mit dem Vater, und bitten so um die Einheit auch unter den Gläubigen.

Jesus betet und erbittet vom Vater diese Einheit. Sollte das nicht auch wieder unser Mittel sein? Wo beten wir für die Einheit der Christen gemeinsam und ausdauernd in seinem Namen?

Diese Einheit und so verstehe ich Jesus, wurde uns vom Vater geschenkt und sie liegt auch in seinen Händen. Es ist eine von Gott ausgehende Einheit im Glauben, in der Wahrheit und in der Liebe, mit Maria, mit den Engeln, mit den Heiligen, mit allen Sakramenten.

Die Kirche hat sich immer am Vorbild Jesu orientiert und gut daran getan, weil er der Weinstock ist und wir die Trauben an seinem Weinstock. Wer von uns wünscht sich keine Einheit im Glauben, in der Kirche, in unseren Familien, in unserer Gesellschaft?

Wenn wir Jesu Bitte an den himmlischen Vater ernst nehmen, dann liegt es auch mit an uns, an dieser Einheit mitzuwirken, für sie zu beten. Und ich meine damit keine Gleichmacherei, um das einmal ganz deutlich zu sagen, das stößt mich innerlich ab.

Ein aus dem 3. Jahrhundert stammenden Papyrus hat man gefunden, auf dem sich ein Gebet befindet, das die junge Kirche, in der es ja noch keine Spaltung in Konfessionen gab, gemeinsam gebetet hat. Ich möchte es ihnen vorbeten, auch wenn sie es sicherlich kennen: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren, o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau. Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin. Versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne.“

Wenn wir so beten, bleiben wir in der Einheit mit Christus und dem himmlischen Vater und Maria hält Fürsprache für uns, bei ihrem göttlichen Sohn.

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner