Predigtgedanken, 30.05.2019 (Christi Himmelfahrt)

Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos ein“, singt Reinhard May in einem seinem bekanntesten Lieder. Wer schon einmal mit einem Segelflugzeug über den Wolken fliegen durfte, versteht was Reinhard May hier meint. In solch einem Moment fühlt man sich frei und leicht wie ein Vogel, unbeschwert, all das ist ein Ausdruck von purer Lebensfreude.

Am Fest Christi Himmelfahrt macht Jesus keinen Ausflug über den Wolken, aber er tritt ein in den Himmel, in jene Wirklichkeit, die uns heute noch verschlossen ist. So wie der Fisch im Wasser nicht ertrinken kann, so ist es auch mit dem gläubigen Menschen, der durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes versteht, was es bedeutet von der Liebe Gottes immer umfangen zu sein. Darum sagt uns der Apostel Paulus: „Wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“

Wir alle haben mehr oder weniger unsere eigene Vorstellungen vom Himmel, manche sind vielleicht zum Schmunzeln, manche eher ernster. Aber wie der Himmel einmal wirklich sein wird, das weiß niemand von uns, das können wir nur ahnen. So wie die Jünger, die bei der Himmelfahrt Jesu von ihm gesegnet werden, also gestärkt im Glauben auf ihrem weiteren Lebensweg, um bald schon den Beistand des Heiligen Geistes zu empfangen.

Ich glaube, dass uns das heute verloren gegangen ist, das Verständnis für den erbetenen Segen Gottes, den wir immer und immer wieder erbitten dürfen. Die Himmelfahrt Jesu meint nicht, ich bin dann mal weg, sondern ich gehe hinauf zu meinem Gott und zu eurem Gott und sende euch einen neuen Beistand, den Heiligen Geist. Wer seinen Lebensweg mit und unter Gottes Segen geht, der muss sich nicht von den Begrenzungen des Lebens her eingrenzen lassen, dessen Blick im Glauben weitet seine Sicht. Unser Leben hat ein ganz konkretes Ziel, wir gehen Tag für Tag auf dieses Ziel zu und auf dem Weg dorthin steht uns der Herr mit seinem Segen zur Seite.

Die Menschen, die das glauben, wissen sich nie allein gelassen im Hier und Heute. Sie wissen sich getragen von dem, der den Tod überwunden hat und nun eingetreten ist in das Reich des Vaters und doch um jeden weiß.

Und vielleicht verstehen wir so auch die Reaktion der Jünger nach der Himmelfahrt: „Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren im Tempel und priesen Gott!“ Ihr Auftrag war es nun, und darüber freuten sie sich, Zeugen zu sein!

Das Himmelreich liegt nicht über uns, es liegt vor uns und das ist nicht unwichtig oder nebensächlich für unseren Glauben, sondern das brauchen wir als Motivation und Freude, wenn wir in diesem Leben wirklich frei sein wollen.

Hier und heute wird uns Europäern schon so vieles geschenkt, auch wenn wir uns einmal an nichts von all dem werden festhalten können. Wir leben in einer Zeit des Wohlstandes und des Friedens, wir es ihn so noch nie gegeben hat. Und wie gehen wir damit um, danken wir Gott für all das Gute oder beginnen wir erst dann zu ihm aufzublicken, wenn etwas Schlimmes passiert?

Alles was wir haben ist gut und Dient unserem Leben, wenn wir es heilsam einsetzen und doch bleibt es auch immer zeitlich begrenzt. Und vielleicht erfüllt uns das eine oder andere dann auch eine Zeit lang, aber ewig nicht! Ewige Erfüllung kann uns nur Gott in seine Liebe anbieten, nicht weil er lieb ist, sondern weil er die Liebe ist.

Wenn uns der Apostel Paulus sagt, „unsere Heimat ist im Himmel“, dann meint er nicht, dass wir hier und heute uns nicht wohl fühlen dürften oder sollten, dass wir nicht leben dürften oder das Leben nicht genießen. Dann meint er nicht, denn die Schöpfung Gottes, die Welt, ist uns anvertraut. Er sagt uns aber ganz unmissverständlich, dass alles hier und heute seine Zeit hat und erst bei Gott uns jene Heimat erwartet, in der all das aufgehoben sein wird.

Das wieder mehr und besser zu verstehen, dazu lädt und das Fest Christi Himmelfahrt ein und das wollen wir jetzt mit Jesus Christus in unserer Mitte feiern.

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner