Predigtgedanken, 12.05.2019 (4. Ostersonntag, Weltgebetstag für geistliche Berufe)

Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

als ein Schiff in einen Seesturm gerät, lässt der Kapitän über das Funkgerät ausrichten: „Ich ordne an, dass wir den Kurs ändern, 20 Grad nach links wenden.“ Kurz darauf hört er eine Stimme über sein Funkgerät: „Sie müssen 20 Grad nach rechts wenden!“ Erstaunt fragt er nach: „Wer spricht da?“ Die Stimme antwortet: „Ein Matrose zweiten Ranges!“ Wieder ordnet der Kapitän an: „Wir müssen das Schiff 20 Grad nach links wenden!“ Sofort hört er die Stimme auf der anderen Seite: „Sie müssen 20 Grad nach rechts wenden!“ Nun wird der Kapitän böse und schreit in sein Funkgerät: „Was fällt ihnen eigentlich ein, ich bin hier der Kapitän und ich habe gerade einen Befehl gegeben, wo sind sie denn?“ Darauf antwortet ihm die Stimme: „Gegenüber Ihnen und ich sitze im Leuchtturm, auf den sie mit ihrem Schiff zusteuern!“

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

es gibt Wahrheiten, die können wir nicht von einer Mehrheit abhängig machen, die können wir auch nicht abstimmen lassen, die sind wahr und die bleiben wahr. Wenn ein Schiff im Sturm auf einen Leuchtturm zusteuert, dann ist es klug auf den zu hören, der im Leuchtturm sitzt und nicht auf den, der auf dem Schiff das Sagen hat. Ich verstehe das Priestertum wie diesen Matrosen im Leuchtturm, der Menschen, die auf der Suche nach Gott sind, in ihren Lebensstürmen dieses Licht Gottes als Orientierung und Halt vermittelt.

Er selbst ist nicht das Licht, aber er ist jener, der dafür sorgt, dass die Menschen dieses Licht sehen können und nicht blindlings durch ihr Leben schiffen. Ähnlich wie das Bild vom Hirten und seiner Herde, das uns im Evangelium begegnet, das uns heute aber weitgehend fremd geworden ist, weil wir kaum noch Schafherden auf Weiden antreffen, die von einem Hirten betreut werden.

Zurzeit Jesu war dieses Bild den Menschen sehr vertraut, es war ihr gewohnter Alltag, man wusste um die Aufgaben und die Bedeutung des Hirtendienstes. Deshalb bezeichnete das Volk Israel seinen König, als den von Gott eingesetzten Hirten, für sie, als die ihm anvertraute Herde. Die Menschen hatten damit kein Problem, sie hielten sich auch nicht für dumme und unmündige Schafe, sondern sie wussten, ein guter Hirte wird ihnen und ihrem Volk Wohlergehen und ein gutes Leben ermöglichen.

Die jüdischen Könige ließen sich deshalb gerne als Hirten darstellen, bezeichnete sich Gott im Alten Testament doch selbst als Hirte, der für die seinen da ist. In Psalm 23, den wir leider zumeist nur bei einer Trauerfeier hören, heißt es: „Der Herr ist mein Hirte!“ Immanuel Kant hat einmal gesagt, kein Psalm habe ihn so getröstet, wie dieser Psalm 23. Er erzählt uns von der bleibenden Gegenwart Gottes in unserem Leben, von seiner Sorge und von seinem Eingreifen, auch wenn alles um uns herum zusammenbricht. Dass wir bei ihm jene Sicherheit und Geborgenheit, einen Lebenssinn und eine Hoffnung finden, die über dieses Leben hinaus anhalten werden. Auch wenn alltägliche Sorgen mich plagen, wenn eine Krankheit mich umfängt, sogar wenn der eigene Tod naht, wird der Herr mit mir gehen und mich liebevoll begleiten.

Wie ein guter Hirte, der mich kennt und um mich weiß, der für mich da ist und für mich sorgt. Und ist dein Leben gekennzeichnet von harten Strapazen und Schwierigkeiten, dann findest du bei ihm die Ruhe, die dich aus deinem oft zerrissenen Alltag befreit und die dir jene Zufriedenheit wieder schenkt, die du in deinem Herzen suchst.

Wie würde sich mein Leben verändern, wenn Gott als guter Hirte einen Platz darin hätte, wie heilsam wäre doch sein Wort für mich! Wenn ich mehr und mehr erfahren könnte, mit ihm als Hirten fehlt mir eigentlich gar nichts mehr, denn der von mir empfundene Mangel in meinem Herzen wird von ihm dauerhaft gestillt.

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner