Predigtgedanken, 19.04.2019 (Karfreitag)

Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen!

„Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“

In vielen Kreuzesdarstellungen sind neben Jesus noch zwei weitere Menschen am Kreuz dargestellt, die ebenfalls zum Tode verurteilt wurden. Einer von beiden, so berichten uns die Evangelien, scheint sich mit seinem Schicksal abgefunden zu haben und spottet auf Jesus. Der andere sieht mehr in ihm, als einen Gescheiterten und er betet: „Jesus, denk an mich, wenn du in mein Reich kommst!“

Beide waren nicht versehentlich zum Tode verurteilt worden. Wir können davon ausgehen, dass es ihre gerechte Strafe war, für das was sie anderen Menschen angetan hatten. Und vielleicht haben viele, die sie kannten, gesagt: „Denen geschieht recht!“ Wir können Menschen durch unsere Aussagen ganz schnell tot machen.

Um unser gesellschaftliches Leben nicht der Willkür des einzelnen zu überlassen haben wir Rechte und die sind auch zumeist gut und sinnvoll. Aber sie können niemandem vergeben, sie können auch nicht Unrecht ungeschehen machen, sie können nur ein gerechtes Urteil versuchen zu ermöglichen. Der Blick Jesu aber ist ein anderer, es ist immer der Blick des Schöpfers auf sein geliebtes Geschöpf, der die Sünde verabscheut, aber den Sünder liebt.

„Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“ Am Kreuz hören wir aus dem Mund Jesu die erste Heiligsprechung und das von keinem Menschen, der vorbildlich gelebt hat. Der aber mit all dem, was sein Leben ausmachte, bereit war, sich von Jesus vergeben zu lassen. Der sprich förmlich in letzter Sekunde beichtete, um so die unbegreifliche Barmherzigkeit Gottes an sich zu erfahren. Nun war sein Weg frei hin zum Leben bei Gott. Jesus wurde für ihn zu jener Wahrheit und zu jenem Weg, der zum himmlischen Vater führt.

Zwei Haltungen begegnen uns in den beiden Gekreuzigten rechts und links von Jesus. Der eine hat die Haltung, die heute weit verbreitet ist: „Der kann eh nichts mehr für mich tun, beten bringt nichts, ich muss es allein versuchen und wenn ich scheitere, dann war´s das!“ Der andere sieht in Jesus seinen Erlöser, sein Heil, seine Chance noch einmal neu anzufangen und er betet: „Jesus, ich vertraue auf dich!“

Wieviel erlöster wären wir Christen, wenn wir wieder auf jenem Weg nach Ostern gehen würden, auf dem uns Jesus die Vergebung und die Verzeihung unserer Sünden zusprechen dürfte. Wie viele Menschen leben im Unrecht, erfahren im Leben Unrecht und binden sich an das Unrecht, das sie dann nicht mehr loswerden. Erst durch die Bereitschaft zur Vergebung löst uns Christus davon. Vor seinem Sterben wird er es uns allen vorleben: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Schauen wir heute Nachmittag auf seine Liebe, auf die Liebe des Gekreuzigten. Nicht die Gewalt erlöst, sondern seine Liebe! Und seine Liebe gilt auch dir, er hat es auch für dich getan!

Gerade wenn du meinst, dass du nicht geliebt wärst oder nicht genug geliebt seist, dann schau auf´s Kreuz und lass dir vom Herrn sagen: „Ich aber liebe dich!“ Das ist die Botschaft dessen, der am Kreuz hängt.

Darum ist ein Kreuz auch kein Modeschmuck, sondern die befreiende Botschaft an die ganze Welt, die wir überall zeigen dürfen: „Jeder Mensch ist von Gott geliebt!“ Fang auch du an so zu lieben, wie ich dich liebe, dann wird die Welt verändert.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner