Predigtgedanken, 04.02.2019 (Patronatsfest Heilige Veronika)

Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

es war wohl der Mut und die Courage, das Selbstbewusstsein und die Glaubensstärke, welche die Christenheit gerade in den ersten Jahrhunderten mit denen zutiefst verband, die öffentlich für Jesus mit ihrem Leben Zeugnis ablegten. Wir kennen viele Zeugnisse aus dieser Zeit: Stephanus, der gesteinigt wurde, Laurentius, mit einem Rost dargestellt, Blasius, dessen Segen viele schätzen, alle Apostel bis auf Johannes und so viele mehr, dass man sie gar nicht so schnell aufzählen kann.

Also muss es auch eine tiefere Bedeutung gehabt haben, dass man gerade im Petersdom in Rom, eine fünf Meter hohe Statue der heiligen Veronika aus Marmor aufstellte, auf einem der vier Grundpfeiler der Domkuppel, also dem Fundament der Peterskirche. Eine so große Figur, mit einer Frau, die ein Tuch in der Hand hält, auf dem das Gesicht Jesu abgebildet ist? Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Jesus hat ein Gesicht, er hat es uns sozusagen zugewandt und wir können ihn anschauen, weil er Mensch geworden ist.

Wer würde es nicht gerne wissen, wie Jesus ausgeschaut hat, wie groß er war, welche Gesichtszüge, Gesichtsform und Augen er hatte. Wer würde nicht gerne wissen, ob er einen Bart trug und ob seine Haare lockig über die Schultern gefallen sind. Doch wir haben kein Foto von ihm, keine Filmaufnahmen, lediglich Ikonen, also Glaubensbilder, die aber auch einen tieferen theologischen Charakter besitzen.

Überlegen sie mal, wie viele Christusbilder sie schon gesehen haben? Das kann wohl keiner von uns wirklich sagen, so selbstverständlich ist uns die Darstellung des Gesichtes Jesu schon geworden. Bis ins Jahr 1600 kamen Pilger nach Rom, um den Schleier der Veronika zu sehen und zu verehren, von dem man annahm, dass sie ihn Jesus auf dem Kreuzweg gereicht hat. Hier leitete sich auch der Name ab, den wir heute von ihr kennen: „Veronika“.

Er setzt sich aus zwei lateinischen Worten zusammen: „Vera“ und „Ikona“, was so viel heißt wie „das wahre Gesicht“. Im Glauben können wir also übersetzen: „Veronika zeigt uns das wahre Gesicht Jesu!“

Gemeint ist damit nicht ein Bild, das ganz nah an ein Foto Jesu heranreicht, sondern ein Bild, das in diesem Gesicht, das Gesicht der Menschen erkennt, mit all dem, was Menschen anderen Menschen so antun können. Im Evangelium haben wir von einer Frau gehört, die auch nichts mehr zu lachen hatte, weil sie seit 12 Jahren ums Überleben kämpfte.

„Blutflüssig“ zu sein bedeutete damals auch im Glauben „unrein zu sein“, von den Leuten gemieden zu werden. Wenn nur ihr Schatten auf einen anderen Menschen fiel, so sagte es das Gesetzt, wurde dieser unrein. Ausgegrenzt, permanent ausgestoßen, will sie unbedingt den Saum des Gewandes Jesu berühren, weil sie glaubt, dadurch wieder heil zu werden. Um diesen Saum zu berühren, muss sie sich tief bücken und auf dem Boden knien. Berührte eine Unreine einen Reinen, erwartete diese nach dem Gesetz die Steinigung, wenn es zur Anzeige kam.

Jesus zeigt sie aber nicht an, er hat vielmehr Mitleid mit ihr und er schenkt dieser gläubigen Frau neu das Heil. In der Berührung zeigt Jesus sein wahres Gesicht: „Ich bin das Heil der Welt!“

Mit Veronika verbanden die Gläubigen in Rom eine Frau, die das furchtbare Leid und die Last des Kreuzes auf der Schulter Jesu nicht einfach so hinnahm. Voll Mitleid beugt sie sich zu dem Gefallenen nieder, ohne auf das Murren der Umherstehenden zu achten. In ihrem Tuch prägt sich das Gesicht des Heilandes ein, in dem wir den Anwalt der Armen, Schwachen und Ausgegrenzten wiedererkennen.

Dieses Bild von Jesus sollten auch wir uns einprägen und können von der dargestellten Geste der Veronika folgendes lernen: „In Jesu Angesicht, spiegelt sich das Angesicht aller Menschen, aller, die uns anschauen und niemand ist ausgenommen, egal wie verunstaltet sein Gesicht auch sein mag, es entspringt immer noch dem Ebenbild Gottes.“

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner