Predigtgedanken, 27.01.2019 (3. Sonntag im Jahreskreis)

Pfarrer Meßner Liebe Schwester und Brüder im Herrn,

die Welt ist im Wandel, das erleben wir Tag für Tag, wenn wir mit wachen Augen und offenen Ohren die aktuellen Geschehnisse lesen, sehen und auch miterleben. Die älteren Menschen sagen mir dann gerne: Früher war vieles besser, einfacher und unkomplizierter. Heute, im Zeitalter der Postmoderne, des sog. Individualismus, ist vieles nicht mehr selbstverständlich, auch nicht wenn wir als Christen von der Liebe zu Gott und den Mitmenschen sprechen und sie vorleben wollen.

In einem Bericht über den Wandel in Deutschland, war zu lesen: „Liebe dich selbst und vergiss den Nächsten.“ Darin wurde gefragt: „Warum soll man eigentlich bei Rot an der Ampel anhalten, wenn gar keiner kommt? Warum soll ich dem Hintermann (oder der Hinterfrau) die Tür aufhalten? Warum andere Leute zuerst aussteigen lassen? Lauter unnütze Gebote, die mich nur aufhalten und wir wollen doch alle weiterkommen.

Und ob die anderen das auch wollen, muss mich das wirklich interessieren?“ In all dem steckt leider viel Wahrheit und wer von uns hat nicht auch schon solche Erfahrungen gemacht, dass Menschen nur noch ihre eigenen Regeln kennen? Anderen das Leben zu erschweren, sie zu beschimpfen, zu verunglimpfen oder auch anzuschwärzen, gehört für viele heute einfach dazu.

Auch in der Kirche leiden Gläubige unter den Folgen des Individualismus, der das Zusammengehörigkeitsgefühl aufwühlt, der gemeinsame Glaubenserlebnisse beeinträchtigt und das Festhalten an dem, was uns als katholische Kirche wirklich wichtig ist, dann auf ein Nebengleis stellt. Dieses Auseinandertriften von einem verbindlichen Glaubensbekenntnis bis hin zu einem „irgendetwas wird es da schon geben“, geht auch an uns nicht spurlos vorüber.

Der Apostel Paulus spricht in der Lesung von dem einen Leib, der Christus ist und den vielen Gliedern an dem einen Leib, die miteinander und nicht gegeneinander arbeiten sollen. Was bedeutet das für uns, wenn der eine so sagt und der andere das Gegenteil behauptet, was werden dann die denken, die auf der Suche sind? Sollten nicht auch wir wieder verstärkt darüber nachdenken, an was und vor allem an wen wir verbindlich glauben?

„Treu beten, recht handeln, anderen in Güte begegnen und deinen Weg mit Gott gehen.“ Das wäre ein Ansporn für uns, um wieder verstärkt einen gemeinsamen Nenner zu finden. Im Evangelium spricht Jesus in einer Synagoge zu den Menschen, also in einem jüdischen Gotteshaus. Und er erzählt ihnen keine frommen Märchen, gibt ihnen auch keine philosophischen Vertröstungen, sondern er sagt zu ihnen: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe.“

Was ist seine gute Nachricht an uns, die wir ja eben sein Wort gehört haben? Ich denke, dass ich mich im Glauben an ihm festmachen darf, das ist die wirklich gute Nachricht uns alle und anderes muss dahinter anstehen. Dem, der uns heute sagt, „Gott sei tot“, können wir getrost mit der Kirche antworten: „Das kann nicht sein, er ist von den Toten auferstanden!“

Unser Gebet und unser Glaube sind eine unerschöpfliche Quelle, von der wir Tag für Tag seine Kraft empfangen und seine Stärkung für unser Leben. Und diese nicht versiegende Quelle ist und bleibt Jesus Christus: Bei ihm haben wir eine Zukunft, bei ihm finden wir Trost und Hoffnung, denn „die Freude am Herrn ist unsere Stärke.“ (Nehemia 8, 10) Helfen wir mit, diese tiefe Sehnsucht bei anderen wieder neu zu erwecken, sagen wir ihnen die frohe Botschaft: „Er lebt, er ist für dich da, zu darfst dich ihm anvertrauen, er liebt dich von ganzem Herzen.“

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner