Predigtgedanken, 02.12.2018 (1. Adventssonntag)

Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie aus einem kleinen und scheinbar toten Samenkörnchen, eine Pflanze wächst. Wie in der Natur etwas Kleines und Feines heranwächst, ein neuer Trieb ansetzt, der Leben mich sich bringt.

In der Lesung haben wir vom Propheten Jeremia gehört: „In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen.“ Es war die Ankündigung Gottes, in seine Schöpfung einzugreifen, Verlorenem neu Hoffnung zu geben, tot geglaubtes zu beleben, selbst zu uns zu kommen, einer von uns zu werden. Wie hören also keine alte Geschichte von früher, wir hören das Wort des lebendigen Gottes, der immer am Werk ist durch das Wirken des Heiligen Geistes und der seinen Sohn gesandt hat, was wir in der Adventszeit bedenken. Verstehe ich, was er mir durch sein Wort sagen will?

Wie schnell übersehen wir seinen kleinen und feinen Trieb, der ja an Weihnachten zu seiner vollen Frucht gekommen ist. Hören gar nicht mehr richtig hin, sind abgelenkt in einer säkularen Welt, für die Weihnachten und Gottes Geburt keinen Zusammenhang mehr bietet. Was bedeutet mir der Advent, was erwarte ich im Advent, erwarte ich etwas oder jemanden? Wir haben am Adventskranz ein Licht angezündet, es soll uns auf das Licht hinweisen, das in der Krippe von Bethlehem aufgestrahlt ist. Jesus Christus bringt uns Hoffnung, gegen die Ängste um den Verlust der Existenz, den Verlust am Leben, in den Auseinandersetzungen unter den Menschen.

Das Licht am Adventskrank weist uns auf das Licht Gottes hin, in dessen Hände unser aller Leben liegt. Es will auch in unseren Herzen hell machen und sein Licht aufscheinen lässt. Immer heller, von Woche zu Woche, je näher wir dem eigentlichen Fest seiner Geburt kommen werden. Er, der uns sagt „ich bin das Licht der Welt“, wer zu mir kommt, der wird spüren, dass es bei mir keine Dunkelheit gibt. Setzen deine Erwartungen auf mich, mein Licht leuchtet bereits in dieser Welt.

Einst hat ein Spross aus dem Geschlecht Davids begonnen aus der Erde hervorzusprießen, einst er war noch klein und fein. Gott lässt im Kleinen, im Verborgenen, etwas ganz großes und starkes wachsen. Lassen auch wir in den Tagen des Advents, Güte, Milde und Liebe in uns wachsen? Damit uns nicht die Freude am Fest verloren gegangen ist und wir abgekämpft, müde und innerlich verbraucht sind, am Fest der Liebe!

Vielleicht ist gerade das die größte Herausforderung unserer Zeit, in all den Bräuchen und Gewohnheiten Jesus zu suchen und zu finden, ein Licht anzuzünden und es in uns hell werden zu lassen. Ich freue mich schon auf die Rorate Messen die unseren Kirche im Kerzenlicht, dort fällt es mir viel leichter mit Jesus in Beziehung zu treten. Hier komme ich zu einer inneren Ruhe und finde Erholung, einen geistigen Ausgleich in aller Hektik und dem Getrieben sein dieser Tage.

Wo die geistige Dimension wegfällt, wird die Botschaft vom kommenden Herrn, vom Erlöser und Vollender der Welt, fremd und beklemmend. Und wir bleiben in einer vergangenen, idyllischen Weihnachtsharmonie stecken, die uns im Grunde genommen heute gar nicht mehr groß anspricht.

Schauen wir auf Maria, die Gottes Wort in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte. Sie war ein zutiefst adventlicher Mensch, der immer mit Gott im Leben rechnete und ihm auch begegnete. Er sprach sie an und sie hat sich auf ihn vorbereitet. Auf dieses Kind, das wir an Weihnachten verehren und feiern, den Gottmenschen Jesus Christus, in dem wir alle das Heil finden.

Mache dich auf und werde Licht: Denn sein Licht kommt!

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner