Predigtgedanken, 21.10.2018 (29. Sonntag im Jahreskreis)

Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

„qui capit, non cupit, qui cupit, non capit.“ Wer es begreift, greift nicht danach, wer danach greift, der begreift es nicht. Gemeint ist hier das Amt in der Kirche.

Zu allen Zeiten haben viele Menschen es als Machtstreben und persönlichen Aufstieg verstanden, um in der Kirche ein hohes Amt zu haben. Für den Erwerb des Himmelreiches hat ihnen das aber nichts genutzt. Wer um die Verantwortung weiß, die ein solches Amt mit sich bringt, der wird sich damit nicht wichtigmachen. In der Liebe zu Gott und den Mitmenschen hat jede Form des Dienens seinen Ursprung, auch das in der Kirche „dienstbar werden“ gehört dazu. Dort wo das Schachern um Posten und Ämter den Einfluss eines Menschen bestimmt, da wird er auf Dauer das Vertrauen seiner Mitmenschen verlieren.

Und doch braucht es ohne Frage auch in der Kirche eine Führung und eine Leitung. Wo diese in gesundem Maße fehlt, droht das Volk Gottes auseinanderzubrechen. Der Dienst an der Wahrheit orientiert sich deshalb immer am gelebten Evangelium.

Beim Ein- und Auszug in die Kirche, etwas bei der Messe, wird darum die gewohnte Rangordnung auf den Kopf gestellt. Die Messdiener gehen als erste, erst zum Schluss, am Ende ziehen der Priester oder der Bischof ein. Nicht wir stehen hier im Mittelpunkt, sondern Gott und deshalb ist er es, der die Plätz in seinem Reich vergibt.

Wer ihm nachfolgen will, wer Gemeinschaft mit ihm haben will, muss immer bedenken: Es kommt nicht auf Macht und Einfluss, auf Stellung und Titel und Karriere an, sondern auf das, was er uns in ergreifender Weise vorgelebt hat. „Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu die- nen und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für die vielen!“ (Mk. 10, 45)

Eine solche Haltung fällt heute vielen schwer, sie gilt als weltfremd. Aber der Mut zum Dienen steht im Vordergrund zum Aufbau des Reiches Gottes. Viele Menschen haben uns das nach dem Vorbild Christi in ergreifender Weise vorgelebt!

Einer von ihnen wurde 2009 heiliggesprochen: Pater Damian de Veuster, der in fast jedem Religionsbuch zu finden ist. Sein Orden war für die seelsorgerliche Betreuung der sog. Sandwich-Inseln, den heutigen Hawaii-Inseln, zuständig. Seit 1873 betreute er dort die Leprakranken, lebte und wirkte als Missionar und Arzt unter den Aussätzigen.

Als 12 Jahre später ein berühmter Wissenschaftler in seine Gemeinde kam, um den Aussatz und seinen Erreger zu erforschen, stellte er fest, dass auch der Pater Aussatz hatte. Trotz dieser Krankheit setzte Pater Damian seine Arbeit fort, bis er selbst an dieser heimtückischen Krankheit starb. Nach seinem Tod entstanden in den USA und in England Stiftungen und Vereine, die sich der Heilung der Leprakranken annahmen. Heute gilt die Krankheit als ausgerottet und er als Schutzpatron der Aussätzigen darf besonders von jenen angerufen werden, die an einer ausweglosen Krankheit leiden.

Pater Daman de Veuster hat nicht die weit verbreitete Einstellung im Glauben vertreten: „Ja, das kenne ich alles schon, das will ich nicht mehr hören!“ Er kam als Hörender, weil ihn das Wort Gottes Gott näher brachte und er sich so die Frage stellte: „Herr, was willst du mir Tag für Tag sagen?“

Wenn wir den Dienst in der Kirche so verstehen, als Dienst an Gott und den uns anvertrauten Menschen, dann können wir den guten Samen Gottes in die Herzen der Menschen säen. Dann haben wir die Nachfolge angetreten und werden im Reich Gottes ernten: dreißigfach, fünfzigfach oder hundertfach.

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner