Predigtgedanken, 19.08.2018 (20. Sonntag im Jahreskreis)

Johannes 6,51-58: In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

auf die Frage, ob er schon einmal eine schwere Glaubenskrise durchgemacht habe, antwortete Christof Schönborn, der Kardinal von Wien in einem Interview, er habe einmal ein Jahr lang nicht gebetet! Vielleicht denken wir, na ja, so schlimm wird das ja nicht sein, aber Kardinal Schönborn erkannte später, wie sehr er unter dieser Situation litt, wie verstört er war und vor allem wie unglücklich!

Als 21 jähriger Ordensmann folgte er der bis heute weit verbreiteten Meinung, dass das Gebet nichts bringt, weil man die Gesellschaft verändern müsse, gemäß dem Motto: „Nicht auf das Jenseits vertrösten, sondern das Diesseits gestalten, nicht beten, sondern verändern.“ Erst mit zunehmenden Alter verstand er, dass es gerade das Gebet ist, durch das Gott das Diesseits mit dem Jenseits verbindet und fruchtbar werden lässt, für jeden und umso mehr, je mehr ich auf ihn vertraut.

Wenn wir Eucharistie feiern, wird diese Verbindung für uns verbindlich. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag“, sagt uns Jesus heute im Evangelium. Es ist demnach gut und sinnvoll, sich vor dem Empfang der Kommunion, etwa durch ein Gebet, geistig vorzubereiten.

Auch als Pfarrer bete ich immer so ein Kommuniongebet, es lautet: „Was wir mit dem Munde empfingen haben, das lass uns mit reinen Herzens aufnehmen und diese zeitliche Speise, werde uns zur Arznei der Unsterblichkeit.“ Die Kommunion als eine Arznei, die uns gesund macht! Wir müssen lernen diese Bedeutung der Eucharistie im Glauben zu verstehen, weil die Wandlung von Brot und Wein in das Fleisch und Blut Christi unser Verstehen übersteigt.

Und doch gibt es kirchlich anerkannte eucharistische Wunder, die beweisen, dass der Leib Christi nach der Wandlung mehr ist als ein gesegnetes Stück Brot. Noch vor kurzem war der Pfarrer von Liegnitz (in Polen) bei uns in Ensheim und hat über das 2013 von Papst Franziskus anerkannte eucharistische Wunder in seiner Pfarrei berichtet.

Und vielleicht fragen wir uns dabei, wie diese Wandlung sich vollziehen kann? Nehmen wir doch unseren Körper, der die Nahrung die wir zu uns nehmen, in unser eigenes Fleisch und Blut umsetzen kann. Warum soll Gott nicht Brot und Wein in sein Fleisch und sein Blut verwandeln können?

Und fragen wir uns, wie kann in so einer kleinen Hostie der ganze Christus sein? Gott hat unser kleines Auge so geschaffen, dass es eine großartige Landschaft mit all ihren schönen Einzelheiten auf einen Blick erkennen kann. Warum soll Christus nicht in der kleinen Hostie anwesend sein können?

Und fragen wir uns, wie ist es möglich ist, dass derselbe Christus in allen Tabernakeln der Welt gleichzeitig anwesend sein kann? Dabei brauch wir nur einen Spiegel zu nehmen und ihn zu zersplittern und schon sehen wir uns in jedem zerbrochenen Teil.

Wenn sowas ganz simpel funktioniert, warum soll Gott, der viel größer ist als unser Verstehen, sich nicht an mehreren Orten gleichzeitig schenken können?

Es ist mit unserem Glauben an die Gegenwart Jesu in der Eucharistie, wie mit einem Kreis von Freunden, die um einen Tisch sitzen. Auch eine junge Frau ist dabei mit ihrem Mann, der blind ist und darauf angewiesen, alles gut zu verstehen. Doch als die Frau bemerkt, dass das ihrem Mann schwerfällt, legt sie still und zärtlich ihre Hand auf seine Schulter, so als wollte sie ihm sagen: Ich bin schon da, auf mich kannst du dich verlassen, auch wenn du jetzt nichts siehst.

Sind wir nicht oft auch geistig blind, für die Gegenwart Jesu in der Eucharistie? Wie oft empfangen wir den Leib Christi, ohne uns groß Gedanken darüber zu machen, wen wir da empfangen?

Wenn wir aber beten und so Jesus einladen, dann nimmt er uns geistig gesehen bei der Hand und sagt uns: Ich bin da für dich, auch wenn du mich nicht siehst. Jetzt kannst du dich auch mich verlassen, ich bin da!

Das ist Kommunion und Jesus lädt uns ein, uns im Gebet ihm so zu nähern.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner