Predigtgedanken, 12.08.2018 (19. Sonntag im Jahreskreis)

Johannes 6,41-51: In jener Zeit murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.



Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen in Westeuropas im materiellen Wohlstand lebt, breitet sich schon seit vielen Jahren merklich eine zunehmende Unzufriedenheit aus. Obwohl eine gut eingerichtete Wohnung oder ein eigenes Haus, ein Auto vor der Tür, eine Urlaubsreise und vieles mehr zum Standard so vieler gehören, scheint es ihnen noch lange nicht auszureichen.

Überlegen sie mal, wer bei uns keinen Kühlschrank hat oder keine Waschmaschine, kein Fernsehen, kein Handy, keinen Computer und so manches mehr, der muss damit rechnen, eher belächelt zu werden. Als Arbeitsloser wirst du versorgt, die Wirtschaft funktioniert, eine Gesundheitsversorgung ist Pflicht, eine Rente auch. Sicherlich gibt es Menschen, die am Existenzminimum leben, keine Frage, aber auch sie haben Möglichkeiten, dass ihnen finanziell unter die Arme gegriffen wird.

Und doch hören und lesen wir immer und immer wieder von einer besorgniserregenden Krise! Für Menschen die aus wirklich armen Ländern dieser Welt zu uns kommen, klingt das irgendwie verrückt, ja weltfremd. Vielleicht ist es gerade der wachsende materille Wohlstand, der Anspruche erweckt, mithalten zu müssen, der uns einen recht scharfen Blick auf die Miss¬stände, Ungerechtigkeiten und Probleme in unserem Land werfen lässt. Ich glaube sogar, wir stehen mitten in einem geistigen Kampf!

Rod Dreher, ein amerikanischer Schriftsteller, schreibt dazu in seinem Buch „Die Benedikt-Option“: „Ein Christ kann nicht in Treue leben, wenn Gott nur einen Teil seines Lebens ausmacht, ausgeklammert vom übrigen Leben. Letztendlich steht entweder Christus im Mittelpunkt unseres Lebens oder das Selbst und die Götzen, die es sich errichtet. Einen Kompromiss dazwischen gibt es nicht.“

Die Zeiten, in denen wir uns mit einem kulturellen Christentum begnügten, gehen merklich zu Ende. Wir stehen vor einer Zeit, in der Christen mit ihrem Glauben auch andere werden überzeugen und gewinnen wollen oder sie werden es ganz lassen, was die vielen Austrittszahlen aus der Kirche ja belegen.

Papst Franziskus hat zu diesem Thema am letzten Sonntag gesagt, dass wir wieder „vom Tun zum Glauben an Jesus“ kommen müssen. Ich will leben, gut leben, ich will etwas leisten, ich will mir etwas aufbauen, aber will ich auch mit Gott leben? Das Murren der Menschen zur Zeit Jesu ist eine Haltung der Ablehnung, weil sie ihn nicht kennen. „Wenn wir uns in diese Beziehung von Liebe und Vertrauen mit Jesus hineinnehmen lassen, werden wir in der Lage sein, gute Werke zu tun, die nach dem Evangelium duften, für das Wohl und die Bedürfnisse der Brüder und Schwestern“, sagt uns Papst Franziskus.

An erster Stelle steht für uns also eine gelebte Beziehung zu Jesus Christus. Wo wir sie täglich pflegen, wo wir unseren Glauben täglich stärken, wird uns Jesus Christus durch seinen Heiligen Geist zur geistigen Nahrung, zum „Brot des Lebens“.

Es macht einen großen Unterschied, ob ich Glaubenssätze aufsage oder zutiefst an sie glaube und mein Leben entsprechend ausrichte. Darum sagt uns Jesus im Evangelium: „Wer glaubt hat das ewige Leben!“ Was soll Gott in meinem Leben bewirken, wenn ich ihn ständig in Frage stelle, ablehne oder ignoriere?

Glauben bedeutet sich zunächst einmal auf Jesus Christus einzulassen und ihm sich anzuvertrauen. Für viele Menschen ist das Leben hart und beschwerlich geworden, wie altes, trockenes Brot, das sich schwer kauen lässt. Der Heilige Johannes Chrysostomos hat es auf den Punkt gebracht, wenn er sagt, dass wir in der Heiligen Kommunion Brot essen und doch Christus empfangen!

Doch das zu glauben, das muss jeder einzelne von uns selber immer und immer wieder einüben!

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner