Predigtgedanken, 15.07.2018 (15. Sonntag im Jahreskreis)

Markus 6, 7-13: In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

wer es eilig hat, weil er einen wichtigen Termin wahrnehmen muss und ihm die Zeit davon rennt. Der wird unterwegs sicherlich versuchen, sich nicht groß aufhalten zu lassen, um schnellst möglich an sein Ziel zu kommen. „Wenn du jemand begegnest, so grüß ihn nicht; und wenn dich jemand grüßt, so antworte ihm nicht!“ (2. Kön: 4, 29) Das hört sich für uns auf den ersten Blick befremdlich an, doch so gar nicht Menschenfreundlich. Aber so lesen wie bereits im zweiten Buch der Könige, in dem der Prophet Elischa seinem Diener Gehasi losschickt, damit er ein verstorbenes Kind in der Vollmacht Gottes wieder zum Leben erweckt. Die Mutter hatte den Propheten aufgesucht und darum gebeten, er will ihr so schnell wie möglich helfen. Nun wird verständlicher, warum alles andere erst einmal zurückstehen muss, denn es geht um ein menschliches Leben.

Auch Jesus gibt seinen Jüngern den Auftrag Dämonen auszutreiben, Kranke mit Öl zu salben und sie zu heilen. Einen Wanderstab können sie mitnehmen, aber sonst nichts: keine Marschverpflegung, kein Gepäck, keine Reservekleidung zum Wechseln, kein Geld, keine Wanderschuhe. Der Wanderstab soll ihnen helfen schneller an ihr Ziel zu kommen, unnötiger Ballast wäre dann nur hinderlich, niemand soll sie auf ihrem Weg aufhalten.

Christus zeigt uns mit seiner Sendung auf, was für ihn Priorität hat, was für ihn absolut wichtiger ist, wichtiger als die Verpflegung, der Vorrat, das Geld und die Kleidung: Es ist die Heilung und das Heil für einen Menschen! Die Jünger müssen all das was er von ihnen fordert, im tiefen Vertrauen auf ihn hin tun, in seiner Vollmacht tätig werden.

Ich habe das auch schon öfters im Sakrament der Beichte und bei einem Seelsorgegespräch verbunden mit einer Krankensalbung erfahren, was es bedeutet in der Vollmacht Jesu handeln zu dürfen, in seinem Namen loszusprechen oder zu salben. Ob ich dann bei den Menschen ankomme, das hängt sicherlich von meiner Person ab, von meinen Worten und meinem seelsorglichen Einfühlungsvermögen. Ob ich gut zuhören kann, die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten verstehe, ein aufbauendes Wort für sie finde, Mitmenschlichkeit und Zuneigung schenke.

Eines kann ich aber nicht, die Beichte oder die Krankensalbung ersetzen, denn hier handelt immer der lebendige und liebende Gott durch mich, am konkreten Menschen. Jedes Sakrament führt uns hin zu Gott und lässt uns in eine direkte Verbindung mit ihm treten. Der Priester wandelt die Gaben in der Vollmacht des Heiligen Geistes und wir empfangen Jesus Christus, verborgen unter der Gestalt des eucharistischen Brotes.

Bei der Krankensalbung ist es das Salböl, in dem der Heilige Geist wohnt, das in Verbindung mit dem Gebet dem Kranken hilft. In der Beichte spricht Gott uns selber von unseren Sünden los, der Priester ist sein Werkzeug. Bei der Hochzeit schließen die Eheleute untereinander das Sakrament, der Priester segnet sie und ist Zeuge. Bei der Taufe ist es der Heilige Geist der bewirkt, dass wir zu Christen werden, der Priester ruft ihn herab durch das dreimalige Übergießen des Täuflings mit Wasser und der Anrufung des dreieinigen Gottes. Bei der Firmung knien alle nieder und der Bischof ruft den Heiligen Geist auf die Firmlinge herab, sie empfangen ihn durch das Segensgebet und ihr „Ja“ dazu.

Haben sie sich einmal gefragt, wenn sie ihr zukünftiges Leben betrachten, was sie gerne behalten möchten, was ihnen so wichtig ist, dass sie es nicht verlieren möchten? Vielleicht ist es die Liebe zu einem Menschen, ihr Gesundheit, ihr Wohlergehen?

In dieser Welt ringen wir immer wieder mit all diesen Wünschen, Ansprüchen und menschlichen Vorstellungen. Doch was wird wichtig sein, wenn wir einmal bei Gott leben werden? Was wird dann wichtig sein, was wird mich glücklich machen, was wird mir seinen dauerhaften Frieden schenken?

Ich denke, ein Leben, das heute und hier schon versöhnt mit ihm ist und durch den regelmäßigen Empfang der Sakramente von seiner Liebe, dem Glauben an ihn und die Hoffnung auf ihn durchdrungen ist. Im Evangelium heißt es: Die Jünger „riefen die Menschen zu Umkehr auf!“ Gemeint ist Neuausrichtung zu Gott hin, denn sie wird das wichtigste sein, was in unserem Leben dauerhaft bleiben wird. Bei ihm zu leben, mit ihm zu leben, durch ihn zu leben. Das nimmt uns nicht in diesem Leben, aber es gibt uns so viel mehr!

Denn die Sakramente hat Jesus Christus uns als Hilfe für unseren Lebensweg geschenkt, damit wir immer wieder neu anfangen können, täglich von ihm Kraft erhalten und so in seiner Liebe bleiben. Vielleicht verstehen wir den Apostel Paulus so besser, wenn er an die Gemeinde in Korinth einen Satz schreibt, den wir gerne bei Hochzeiten hören, aber vielleicht so noch nie bedacht haben: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1. Kor. 13, 13)

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner