Predigtgedanken, 08.07.2018 (14. Sonntag im Jahreskreis)

Markus 6, 1b-6: Jesus kam in seine Heimatstadt; seine Jünger begleiteten ihn. Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen! Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie. Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

unsere Gesellschaft ist dafür bekannt, dass sie auch kritisch ist. Und heute ist das auch umso wichtiger, damit wir nicht gleich auf jeden Zug aufspringen, bei dem vielen, was uns da täglich um die Ohren schwirrt. Jeder der weiß, wie Fernsehen funktioniert, welchen Kampf da Sender um Einschaltquoten haben und dass auch Tageszeitungen mittlerweile unter einen wachsenden Leserschwund leiden, der muss kritisch sein, bei all dem was er im Fernsehen alles sieht oder in der Zeitung so liest. Um nicht in einen gewaltigen Bann gezogen zu werden, von immer neuen Sensationen und Ereignissen nachzurennen, abzustumpfen oder zu resignieren.

Ich musste schmunzeln, als mein Onkel mir sagte: „Ich lese in der Tageszeitung am liebest die Todesanzeigen und die Sportergebnisse, da bin ich mir sicher, dass die Angaben stimmen.“ Sicherlich übertreibt er hier, aber ich denke, es braucht den kritischen Verstand, der sich seine eigenen Gedanken macht, der nicht alles wie einen Brei schluckt, was wir da oft hören oder sehen müssen. Bestes Beispiel ist ein großer Teil der Berichterstattung über die katholische Kirche, meist negativ, verallgemeinernd und gerne im Schwarzweiß Jargon verpackt, so nach dem Motto: „Steter Tropfen höhlt den Stein!“ Als ausgebildeter Theologe bleibt einem da oft nur ein Kopfschütteln, über so viel Unwissenheit, die kaum einem auffällt, weil das Hintergrundwissen fehlt.

Und wenn ich mit einem Großteil der Menschen in meinem Arbeitsalltag außerhalb der Kirche ins Gespräch komme, dann ist vielen von Ihnen regelrecht anzumerken, dass sie diese Vorbehalte, ohne kritisches Hinterfragen aufgesogen und geschluckt haben: „Da wird schon was drann sein!“

Auf einer Hochzeit konnte ich beim Abendessen genau dieses Phänomen beobachten. An meinen Tisch war viel Skepsis und Unsicherheit, was meine Person betraf, da ich ja die katholische Kirche repräsentiere. Im Laufe des Abends kamen wir dann mehr und mehr untereinander ins Gespräch und die Stimmung wurde lockerer und vor allem sympathischer. Und sie glauben nicht, mit was ich als Pfarrer an solche einem Abend alles gelöchert wurde:

Natürlich zuerst die Frage meines Zölibates, dann der Verwaltung der Kirchensteuern der reichen Kirche, der Taufe von Kindern deren Eltern aus der Kirche ausgetreten sind, bis wir letztendlich beim Weltjugendtag waren. Und ich fragte einen der Anwesenden, wie ihm der Weltjugendtag in Köln gefallen hatte. Er fand ihn, obwohl er nicht praktiziert, sehr beeindruckend! Diese gemeinsame Freude an dem einen und verbindenden Glauben, so konnte ich aus seinen Worten heraushören, hatte ihn positiv überrascht.

Liebe Mitchristen,

ist in unseren Kirchen diese Freude an unserem Glauben das bindende und froh machende Merkmal, gerade für Außenstehende? Mein Bischof, Karl Heinz Wiesemann, hat in einer wirklich ergreifenden Predigt einmal gesagt: „Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken. Wir haben der Welt etwas zu bieten, was sie sich selbst nicht geben kann. Die Leidenschaft für das Evangelium. Die frohe Botschaft von der Liebe zu Gott, die uns frei macht.“

Mehr als eine Feierstimmung, die mich am nächsten Tag mit einem Kater aufwachen lässt, eben eine anhaltende Freude, die mitten aus meinem Herzen kommt. Der Glaube an Jesus Christus in seiner Kirche, der zu etwas Besonderem und Lebendigem in mir wird, weil ich ihn aus Leidenschaft lebe. Saugen wir nicht alles um euch herum auf, so wie ein Schwamm, der dann keinen Platz mehr für Gott hat, sondern öffnen wir unsere Herzen für die Liebe Gottes. „Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander; denn die Liebe deckt viele Sünden zu.“ (1. Petr. 4, 8) Dann werden wir erfüllt und von ihnen her froh bleiben können, weil der Friede Gottes in unseren Herzen ankommt und einen Platz gefunden hat.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner