Predigtgedanken, 10.06.2018 (10. Sonntag im Jahreskreis)

Pfarrer Meßner

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

„Zoff in der eigenen Familie, Ablehnung in der Gemeinde“, Jesus wird ganz schön angegangen. Er muss sich verteidigen, gegen die Glaubensgeschwister und die eigene Familie. Aber es ist eben auch immer wieder der Versuch, ihn auf die jeweiligen menschlichen Bedürfnisse zu reduzieren: „Der macht das nicht, das wollen wir nicht, das war noch nie so, das geht gar nicht, das müssen wir verhindern!“ Er versucht es ihnen zu erklären, er tut vor ihren Augen Wunder die seine göttliche Vollmacht bezeugen, durch seine Lehre kommen viele zum Glauben an ihn, aber die, die es eigentlich besser wissen müssten, bezeichnen ihn als geistesgestört.

Das ist schon hart und vor allem gemein! Wie wichtig die eigene Familie ist oder werden kann, erlebe ich immer wieder bei Menschen, die erkranken oder altersbedingte Pflege brauchen. Gerade in diesem Tagen habe ich ein älteres Ehepaar besucht, bei dem der Mann seit Jahren pflegebedürftig ist. Seine Frau sagte zu mir: „Ich bin so dankbar für meine Kinder und mein Enkelkind. Gerade der Schwiegersohn ist es, der sich am Meisten um uns kümmert, das gibt mir viel Kraft.“

Sicherlich dürfte es Jesus auch schwer gefallen sein, das Wort gegen die eigene Familie und die Glaubensgeschwister zu erheben. Aber er ermahnt sie, dass eine Lästerung gegen den Heiligen Geist von Gott nicht vergeben wird. Gemeint ist hier, wenn jemand an seiner Lästerung festhält und sie auch gegen besseres Wissen immer und immer wieder verbreitet, obwohl er weiß, dass sie falsch ist. Solch eine Lästerung wird Gott solange nicht vergeben, wie der Mensch es nicht zulässt, weil er Gottes Vergebung nicht annimmt, sondern verbissen und verhärtet an seiner Sünde festhält. Solche Menschen verbitten oft mit der Zeit, weil sie sich selber nicht mehr verge- ben können.

„Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ Das sagt sich sehr leicht, aber das im Konkreten zu leben, ist gar nicht so einfach. Vor allem erfordert es Entschiedenheit und die ehrliche Frage: „Gott, was willst du von mir und für mein Leben?“

Der Prophet Micha gibt uns darauf eine Antwort: „Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet. Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ (Micha 6, 8) Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ Kennen sie Menschen in ihrem Umfeld, die so versuchen zu leben? Und wenn sie es tun, geht es ihnen dann nicht oft so wie Jesus? Man wird in der eigenen Familie belächelt oder angegangen, weil das heute ja so nicht mehr ist, weil alle anders leben und es das auch nicht mehr braucht!

Noch vor einigen Tagen sagte mir ein Mann: „Damit sie es wissen, ich glaube was ich will und brauche dazu nicht in die Kirche zu gehen!“ Ja, verändert hat sich so einiges und das wäre auch gar kein Problem, wenn man bei all dem nicht so tun würde, als habe sich Gott auch verändert. Es ist halt immer wieder der Versuch, wie auch schon zur Zeit Jesu, alles auf die eigenen menschlichen Bedürfnisse zu reduzieren und daran krankt es auch in unserer Kirche gewaltig.

Die Erlösung kommt von Gott und sie ist das, woran Jesus seine Glaubensgeschwister und seine Familie wieder einmal erinnert: „Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ In dieser Welt werden wir immer auch Widerspruch erleben, wenn wir Jesu Worte ernst nehmen und unser Leben nach ihm ausrichten. Die Familie, von der Jesus spricht, ist Ansatzweise im hier und heute erlebbar, aber in seinem Reich, da wird sie allen Umfassen, die auf ihn gehört und ihm nachgefolgt sind.

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner