Predigtgedanken, 03.06.2018 (9. Sonntag im Jahreskreis)

Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

„Wir lieben uns nicht mehr, aber wir sind immer noch gute Freunde!“ So ein Satz, der ja durchaus sympathisch klingt, ist heute immer öfter zu hören, etwa wenn eine prominente Ehe auseinandergeht. Und natürlich ist es gut, dass man nicht im Streit auseinandergeht oder unversöhnt weiterlebt. Aber um eine wirkliche Freundschaft zu erhalten, das wissen wir alle nur zu gut, müssen wir auch etwas investieren, uns bemühen, egal ob in einer Ehe, in der Familie oder unter Freunden. Der bloße Aktivismus, das ist heute der Freundschaftskiller Nummer eins.

Fragen sie mal Handyliebhaber, die ihnen erzählen, dass sie auf Facebook oder einem anderen Anbieter ganz viele neue Freundschaften gemacht haben, wie viele dieser Freunde sie wirklich kennen? Da gilt auch für unseren Glauben und die gelebte Freundschaft mit Jesus Christus, die ja gerade am Sonntag von unglaublich viel Aktivismus erstickt wird. Wenn ich aber als Christ am Sonntag nur noch irgendwelche Aktionen plane und dabei die Gemeinschaft mit Christus nicht mehr oder nur noch oberflächlich pflege, welche Früchte erwarte ich dann im Glauben? Welche Gnade und welchen Beistand von Gott?

Ist es nicht gerade die Ausgangslage unserer schnelllebigen Welt, in der sich Menschen mehr und mehr in einer Orientierungslosigkeit verlieren? Und die Kirche, jedenfalls dort wo sich all dem anpasst, wird überflüssig! Denn sie stellt nicht mehr die entscheidende Frage: „Was macht Kirche als Ort der Begegnung mit Gott attraktiv, was macht die Freundschaft mit Jesus Christus attraktiv? Wenn immer weniger am Sonntagmorgen Zeit zum Beten finden, wie und wo wollen sie Gott freundschaftlich begegnen?

Im Buch Jesus Sirach heißt es von der Freundschaft: „Willst du einen Freund ge- winnen, gewinne ihn durch Erprobung, schenk ihm nicht zu schnell dein Vertrauen! Mancher ist ein Freund je nach der Zeit, am Tag der Not hält er nicht stand. Mancher Freund ist Gast am Tisch, am Tag des Unheils ist er nicht zu finden. Ein treuer Freund … wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden!“ (Jesus Sirach 6, 7 ff.) Wenn schon eine menschliche Freundschaft ein Schatz sein kann, um wieviel mehr die Freundschaft mit Gott?

Mein Gebet belebt diese Beziehung und Freundschaft zu Jesus Christus. Im Vertrauen auf ihn, kann ich auch viel erbitten, ohne Vertrauen in ihn, kann keine Freundschaft bestehen. Unter echten Freunden gibt es keine großen Geheimnisse und Jesus hat uns zu seinen Freunden gemacht. Der Freund gibt auch persönliches von sich preis, er vertraut darauf, dass er sich damit nicht angreifbar oder verwundbar macht. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren, glaubt an Gott und glaubt an mich.“ (Joh. 14, 1)

Gott schaut auf die Hingabe deines Herzens wenn du betest! Freunde wollen Zeit miteinander verbringen, pflegen eine innere Verbundenheit, das ist die Kraft und die Quelle aus der sich jeder Freundschaft speist. Dabei war gerade jüngst zu lesen, dass der Sonntag, medizinisch gesehen, ein Ausgleichstag sein sollte, für die stressige Woche, denn wo dieser nicht mehr stattfindet, stellen sich mit der Zeit Überforderung und Krankheit ein. Umso wichtiger finde ich es, wenn wir heute zur Sonntagsmesse zusammen gekommen sind, dass wir hier einen seelischen Ausgleich finden.

Papst Franziskus hat in einer seiner Katechesen im letzten Jahr zur Sonntagsmesse gesagt: „Die Messe ist keine Show: Sie bedeutet, dem Leiden und der Auferstehung des Herrn zu begegnen.“ Vertiefen wir diese Freundschaft, damit sie wertvoller wird als ein Schatz.

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner