Predigtgedanken, 20.05.2018 (Pfingstsonntag)

Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

die Sprache gib uns die Möglichkeit, mit den Menschen dieser Erde in Kontakt zu treten, uns besser kennen zu lernen, voneinander zu lernen und miteinander friedlich zu leben. Sie ist aber auch sehr anfällig für jene, die sie bewusst missbrauchen, um allein ihre Interessen durchzusetzen. Gerade die Lesung aus der Genesis, vom Vorabend des Pfingstfestes, stellt uns diese Problematik deutlich vor Augen.

Alle sprechen dort anfangs noch die gleiche Sprache und gebrauchen die gleichen Worte, aber sie nutzen diese Gaben nicht, um ihre Einheit zu bewahren, sie wollen herrschen, über andere und über Gott.

Also beginnen sie eine Stadt und einen Turm zu bauen, dessen Spitze bis in den Himmel ragt. Von dort aus, so meinen sie, werden wir sein, wie Gott! Doch ihr Vorhaben beginnt ihre Herzen zu verändern, sie reden, aber sie werden von den anderen nicht mehr richtig verstanden. Sie hören auch nicht mehr richtig zu, sie lernen nicht mehr vom anderen, sie reden auf einander ein, am Ende beschimpfen sie sich. Vielleicht kennen sie auch solch einen Menschen, der es sich angewöhnt hat, auf andere ständig einzureden. „Das musst du doch verstehen, das macht man halt so, das geht nicht, lass das, hör auf …“ Spätestens dann hört das Verstehen auf, weil kein Einfühlungsvermögen mehr da ist und der Andere meist schon innerlich zu gemacht hat!

Die gelebte Einheit mit Gott, beginnt biblisch gesehen im Paradies und verändert sich in dem Maße, wie der Mensch sich von seinem Schöpfer und von dessen Schöpfung emanzipiert. „Wir brauchen dich nicht, wir können das alles alleine, wir wissen das genauso gut wie du!“ Schauen wir uns mal um, ob wir nicht auch den einen oder anderen babylonischen Turm in unserer Umgebung entdecken?

Ich nenne mal ein Beispiel: „Wir werden täglich mit Wissen, Nachrichten und Sensationen überflutet, wir wissen also enorm viel. Sind dadurch unsere Herzen zufriedener, aufgeschlossener oder liebvoller geworden? Ist es dann nicht oft so, dass es gar nicht mehr um das eigentliche „Verstanden werden“ geht, sondern nur darum, wer Recht hat? Ja, aus eigener Kraft kann ich viel machen, viel bewirken und erreichen, aber eben nicht in den Himmel kommen. Gott sei Dank, sonst säßen da vor allem die, die hier ihre Ellbogen ausgefahren haben und andere damit wegdrängten.

Spannend und nachahmenswert ist und bleibt für uns die Anrufung des Heiligen Geist, der am Pfingsttag bei den Jüngern etwas ganz wunderbares bewirkt. In der Apostelgeschichte wird uns dies genau beschrieben, als Gegensatz zu dem, was die Menschen beim Turmbau in Babylon erlebten. Hier wird niemand verwirrt, nein im Gegenteil, durch die Kraft des Heiligen Geistes sind alle innerlich erfüllt, sie beginnen in fremden Sprachen zu sprechen. „Sie werden für andere verständlicher, empfänglicher, verstehbarer!“ Die große Herausforderung unserer Zeit ist es, die Sprache Gottes in die Sprache der Menschen zu übersetzen, so dass sie Gott und sein Heilswirken verstehen und für ihr Leben annehmen können. Dies wird uns in dem Maße gelingen, wie wir den Heiligen Geist um seinen Beistand bitten und ihn einladen, in uns und durch uns zu sprechen. Ansonsten wird das, was wir verkünden, fruchtlos bleiben und keinen auf Dauer wirklich berühren.

Es ist der Friede Gottes, erbeten durch das Wirken des Heiligen Geistes, der der Welt den Frieden bringt, es ist seine Kraft, die unsere Herzen belebt und uns die innere Freude schenkt. „Heiliger Geist, ich danke dir, dass ich bei dir so wunderbar geborgen bin, sei gepriesen heute und in alle Ewigkeit.“

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner