Predigtgedanken, 13.05.2018 (7. Sonntag im Jahreskreis)

Markus 16, 15-20: Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

seitdem die neue Bundesregierung ein Heimatministerium gegründet hat, ist dieses in aller Munde. Doch was ist gemeint, wenn wir von Heimat, von Heimatgefühlen, von einem Zuhause sprechen? Für die älteren Menschen ist das zumeist das Haus, in dem sie leben und oft so wie ein alter Baum, nicht mehr verpflanzt werden möchten. Sie haben hier ihre Wurzeln wachsen lassen und fühlen sich daheim. Aber dieses Zuhause kann gerade auch für ältere Menschen zu einem Ort der Einsamkeit werden, wenn sie dort alleine leben müssen und kaum noch menschliche Beziehungen haben.

Auch im Glauben haben wir eine Heimat, neben unseren Kirchen, wo wir uns versammeln, sind das auch unsere Pfarrheime und Pfarrhäuser, verbunden mit den vielen Angeboten und Gottesdiensten. Auch im Gebet kann ich ein zu Hause haben, auch wenn das heute vielen nicht mehr so vertraut ist: Beten bedeutet in Beziehung mit Gott zu leben. Solch eine Beziehung, solch ein Gebet, steht im Mittelpunkt der heutigen Lesung und des heutigen Evangeliums.

Es ist die Einladung Jesus, nicht nur in den Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten sich im Gebet an ihn zu wenden. Jesus betet für seine Jünger, er erhebt seine Augen zum Himmel und bittet den Vater um deren Schutz und Beistand für die kommende Zeit. Er bittet, dass auch sie an ihm weiter festhalten sollen, das ist auch seine Bitte an uns, weil auch wir ihn nicht mehr sichtbar bei uns haben.

Nach seiner Himmelfahrt wird es für die junge christliche Gemeinde anders, vieles ist nicht mehr so, wie sie es gewohnt sind. Sie geraten zunächst in eine Krise, ähnlich der, welche wir heute erleben. Verunsichert fragen sie sich: „Was wird nun!“ Jesu Abwesenheit macht ihnen Angst, solche Angst, dass sie sich in ihre Häuser zurückziehen. Dort aber beten sie gemeinsam, suchen eben diese Heimat bei Gott.

Sind wir als Kirche heute nicht in einer ähnlichen Krise, weil Gott in vielen Herzen unsere Mitmenschen zu einem Fremden geworden ist und sie so im Glauben und in der Kirche keine Heimat mehr finden können? Jesus begegnet uns als ein großer Beter, ja er ist ein betender Mensch, obwohl er Gottes Sohn ist und man meinen könne, er habe das doch nicht nötig. Doch das Beten, das sprechen mit seinem himmlischen Vater, das bitten für andere, ist für ihn zu einer Kraftquelle geworden, aus der er schöpft und sich stärkt. Und genau diese Haltung des Betens, diese innige Gottverbundenheit, legt er auch uns immer wieder neu ans Herz: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden, klopft an, dann wird euch aufgetan.“

Erst nach dem Pfingstereignis verstehen die Jünger, was anders geworden ist, wenn sie in der Beziehung zu Jesus Christus betend ihr Leben gestalten. Bevor sie eine Entscheidung treffen, bevor sie einen Nachfolger aus ihrer Mitte wählen, beten sie zuerst einmal, bitten die den Heiligen Geist um seinen Beistand: „Herr, du kennst die Herzen aller, zeige, wen du … erwählt hast. …“

Gerade ältere Menschen, die oft viel Zeit alleine zu Hause verbringen müssen, kann solch ein Zugang zum Gebet viel Kraft und Stärkung geben, gerade gegen die Einsamkeit anzukämpfen. Bei Menschen, die am Tag einen Teil ihrer Zeit nutzen, um sie mit Gott im Gebet zu verbringen, stelle ich dann oft fest, dass sie trotz ihrer Einsamkeit zufriedener sind.

Auch wir brauchen die Kraft des Heiligen Geistes, nicht nur in einsamen Stunden. Beten wir Tag für Tag um diese Gaben des Heiligen Geistes und bitten wir Maria um ihre Fürsprache bei Gott und ihren mütterlichen Beistand für uns, unser Leben, unseren Alltag und unseren Glauben an ihren Sohn: Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner