Predigtgedanken, 10.05.2018 (Christi Himmelfahrt)

Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

wenn ein Mensch, den man lieb gewonnen hat, seinen Arbeitsplatz wechselt oder in den Ruhestand geht, dann ist das oft mit Wehmut, Traurigkeit und manchmal auch mit Tränen verbunden. Am Fest Christi Himmelfahrt verabschiedet sich Jesus nach drei gemeinsam erlebten Jahren von seinen Jüngern, er geht wieder heim zum himmlischen Vater, dorthin, von woher er auf die Erde gekommen ist. Jetzt müssen die Männer und Frauen, die sich auf seinen Namen haben taufen lassen, beginnen umdenken. Jetzt werden ihr Glaube und ihr Vertrauen gefordert, nun haben sie ihn nicht mehr direkt vor Augen, können ihn nicht von Mensch zu Mensch ansprechen, jetzt ist ihr Zeugnis gefragt.

Auch dort wo wir dieses Zeugnis geben, erkennen andere an uns: Der Himmel, zu dem Jesus aufgefahren ist, ist nicht etwas, was fern ist, nicht etwas, was es erst in ferneren Zeiten gibt. Er beginnt bereits ansatzweise hier in diesem Leben, in meiner Zeit, denn das Reich Gottes ist bereits angebrochen.

Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe.“ Wo das gelingt, wo Menschen sich annehmen, dort kann schon der Himmel ein Stück weit auf der Erde nachempfunden werden. Viele fühlen sind heute mit ihrem Leben und den Anforderungen an ihr Leben überfordert, sie vertrauen zwar auf ihre eigene Kraft, aber sie kommen an ihre körperliche und seelische Grenze. Wie gut und heilsam ist es da, von dem Himmel, in den Jesus aufgefahren ist und den ich nur mit den Augen des Glaubens sehen kann, Hilfe in Anspruch nehme. Denn Jesus hat auch uns den Heiligen Geist zugesagt, seine Kraft steht uns bei, dort wo wir sie erbitten.

Welche Kraft der Glaube an Jesus Christus gibt, wird uns im Evangelium gesagt: Du kannst in seinem Namen Dämonischem Einhalt gebieten, du kannst mit seiner Hilfe Sprachbarrieren überwinden, du kannst in seiner Kraft tödlich aussehende Situationen meistern. Und wer kennt sie nicht, die Kräfte, die unser Leben lähmen, erschweren, behindern oder auch terrorisieren, wir können sie ruhig auch dämonische Kräfte nennen. Die Kräfte, die das Verstehen der Menschen unterbinden, die Leben zerstörenden Gifte, die Gefahren, die von Menschen ausgehen, die Macht um jeden Preis haben und ausleben wollen.

In der Kraft des Heiligen Geistes, in der Kraft des Glaubens an Jesus Christus, in der Verehrung der Gottesmutter Maria, der Engel und der Heiligen, kann Gott alle dem Einhalt gebieten. Doch so vieles prallt heute an den Menschen ab, sie wollen leben und genießen, hier und jetzt, was morgen ist, darüber wollen sie nicht nachdenken. Aber sie wollen auch leben, nicht mehr sterben müssen, nicht mehr krank werden, nicht mehr leiden, gute Freundschaften dauerhaft pflegen, geliebt werden, zufrieden sein.

Das Fest Christi Himmelfahrt erinnert uns daran, dass wir all das in dieser Welt schon ansatzweise haben können, aber im Himmel wird es unsere heutigen Vorstellungen übersteigen. Darum sollte wir nicht den Fehler machen dieses Leben mit dem Leben nach dem Tod gegeneinander auszuspielen, denn es ist ein und dasselbe Leben, unser Leben, nur dann in einem anderen Zustand.

Liebende ahnen wohl am Meisten von Himmel, die Erdenschwere löst sich bei ihnen und sie weiten ihren geistigen Blick, vom Herzen her:

„Herr, ich glaube, dass du der Lebendige bist und dass du uns ganz nahe bist. Berühre mich mit der Kraft deines Geistes. Belebe mich mit deiner Nähe und lass mich erfahren, dass du mich senden willst. Ich weiß, dass ich mein eigenes Heil nur finden kann, wenn ich mich von dir senden lasse. Mit dem Glauben der Jünger will ich mich dir hinhalten und vertrauen, dass deine Kraft mit mir geht. Lass mich immer wieder bei dir sein und von dir ausgehen. Nur so kann ich mitteilen, was du mir geben willst.“ (Johannes Bours)

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner