Predigtgedanken, 29.04.2018 (5. Ostersonntag)

Johannes 15, 1-8: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.



Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

seit Ostern hat die Natur einen kräftigen Schub gemacht, alles Blüht und wächst, das warme Wetter tut das Seine hinzu. Wo noch vor einigen Wochen kahle Sträucher zu sehen waren, ist es nun bunt geworden, die Natur zeigt sich von ihrer schönsten Seite. So ist es auch in den Weinbergen, die neue Ernte beginnt langsam zu wachsen und zu reifen, die Kletterpflanzen breiten sich aus.

Doch Jesus mahnt uns mit dem Bild des Weinstockes: „Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.“ Während der Traubenernte ist es ein Genuss, so eine sonnengereifte Traube frisch vom Stock zu pflücken und zu essen, ihren süßen Saft auf der Zunge zu genießen. Aber eine Rebe kann nicht selbständig wachsen, sie ist abhängig vom Weinstock, denn er ist die Quelle ihres Lebens. Dieses Bild nimmt Jesus, um uns den Glauben an ihn zu erklären.

Es geht ihm nicht nur um unser körperliches Wohlbefinden, er meint ebenso unser geistiges Wachstum. Als Christen sind wir mit der Taufe wie ein junger Trieb - geistig gesehen - in den Boden Gottes eingepflanzt worden und erhalten von ihm den notwendigen Lebenssaft, um im Glauben zu wachsen. Der Glaube ist ein Geschenk Gottes an mich, bildlich gesehen bringt er wie der Weinstock die Trauben hervor. Dank der Kirche können wir in dieser Gemeinschaft mit Christus bleiben, in der Treue und Vertrautheit mit ihm, im Gebet, im Hören auf sein Wort, durch den Empfang der Sakramente, besonders die der Eucharistie und der Versöhnung, um so im Glauben an ihn zu wachsen.

Wer mit Jesus in Verbindung steht, kommt in den Genuss der Gaben des Heiligen Geistes. Wir stehen wie der Weinstock und die Reben täglich im Austausch. Und dann ist es auch der Heilige Geist, der uns drängt nicht nur Gott zu lieben, sondern auch unseren Nächsten und ihm Gutes zu tun.

Die Frucht des Heiligen Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Langmütigkeit, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Wer so verwurzelt in Gott lebt, der beginnt auch die Welt immer mehr mit den Augen Gottes zu sehen.

Darum lautet die entscheidende Frage nicht, ob eine Messfeier lang, kurz, laut oder leise ist, sondern dass ich Jesus frage: „Herr, was willst du mir heute sagen?“ Und je ehrlicher ich ihm diese Frage stelle, umso mehr kann ich mich mit ihm verbinden, als der Quelle, die mir den Glauben schenkt.

Jesus sagt uns heute: „Ich bin es, der euch nährt, mit meiner Lehre, mit meinem Leben, auch mit meinem Leiden, Sterben und meiner Auferstehung! Ihr bleibt nicht saftlos, wenn ihr bei mir bleibt, euch an mich bindet, den Lebenssaft von mir erbittet, denn ich verbinde euer menschliches Leben mit dem göttlichen Leben der Gnade.“

Fruchtbares Handeln beginnt nicht schon damit, dass ich etwas leiste, sondern wenn ich zuallererst Gott suche und mich von seinem Geist inspirieren lasse, um zu wissen, was er möchte! Wie viele haben heute ihre ganze Sinnperspektive auf das Arbeiten und Geld verdienen reduziert? Sie leisten viel, aber ihre Früchte bleiben aus, ebenso wie es den Menschen die den Turmbau in Babel vorantrieben erging, das Projekt scheiterte und zum Schluss verstanden sie sich nicht mehr einmal. Sind sie dadurch zu erfüllten Menschen geworden?

Ist der reich, der viel hat, oder der der viel gibt? Maria ist Reich, nicht weil sie viel leistet, sondern weil sie ganz verwurzelt in Gott lebt. Groß ist vor Gott, wer ein großer Liebender ist, das haben viele Christen heute scheinbar vergessen! Wer wach und hellhörig ist für die Regungen des Heiligen Geistes, der wird von seiner Kraft schöpfen und sie weitergeben, der lebt im Glauben verwurzelt.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner