Predigtgedanken, 31.03.2018 (Osternacht)

Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder,

am Montag haben sich Kaplan Hartman und ich auf den Weg nach Speyer gemacht, um traditionell mit dem Bischof, den Priestern und Diakonen des Bistums, gemeinsam die Chrisammesse im Dom zu feiern. Auf dem Weg dorthin trafen wir den Gärtner des Priesterseminars und kamen mit ihm ins Gespräch. Er erzählte uns, dass die lange Kälteperiode bewirkt hat, dass nicht nur im Garten des Priesterseminars, sondern gerade bei den Blumenhändlern, die ja an Ostern ihr Geschäft machen wollen, ein Teil der Ernte noch nicht aufgegangen ist. Und nach Ostern, so sagte er uns, werden sie wohl auf vielen Blumen sitzen bleiben.

Die Kirche hat ganz bewusst das Osterfest in diese Zeit des Erblühens und des Auflebens der Natur gelegt und wir selber spüren, wie uns das körperlich und seelisch belastet, wenn die Natur eben nicht erblüht, wenn die Sonne sich nicht zeigt, wenn alles grau und öd und kalt bleibt, eben wie tot wirkt. Das Leben ist hier das entscheidende Merkmal in der Natur und auch das entscheidende Merkmal für unserem Osterglauben!

Gerade in dieser Woche kam ich mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, das mir sagte, wie wichtig ihnen der Glaube ist, dass sie beten und Jesus in ihrem Leben eine zentrale Rolle spielt. Aber als ich sie fragte, ob sie an die Auferstehung glauben, da wurden sie zögerlich und nachdenklich.

Ähnlich ging es sicherlich den Frauen, die sich auf den Weg machten, um im Grab Jesu seinen toten Leib mit wohlriechenden Ölen zu salben. Immer noch von der Trauer der letzten Tage gefangen, bemerken sie scheinbar gar nicht, dass der schwere Grabstein vor dem Eingang der Grabeshöhle weg ist. „Wer könnte uns den Stein wegrollen“, fragen sie sich? Denn wir müssen uns diesen Stein wie einen riesigen Mühlstein vorstellen, den man vor ein solches Höhlengrab rollte, um es vor Grabräubern zu schützen. Doch als sie genauer hinsehen, ist der Stein schon weg. Am Grab angekommen, sehen sie die frohe und befreiende Botschaft: „Er ist auferstanden; er ist nicht hier.“

Sie werden später nicht sagen: „Vielleicht haben wir uns das alles nur in unserer Trauerphase eingebildet!“ Nein, ihnen und uns wird gesagt: „Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.“ „Nun aber geht und sagt es den Jüngern, vor allem Petrus.“

Liebe Schwestern und Brüder,

die ersten Zeugen seiner Auferstehung sind die treuen Frauen, die Jesus immer begleitet haben. Maria Magdalena, sie wir mit der Frau gleichgesetzt, die Jesus aus Dankbarkeit die Füße mit einem kostbaren Nardenöl salbt, was andere für herausgeschmissenes Geld hielten Sie gehört zu den Frauen, die um Jesus weinen und ihn auf seinem Kreuzweg begleiten, Anteil nehmen und ihn trösten wollen. Auch die Frau, die wir in unserer Pfarrei heute Veronika nennen, die reicht Jesus wohl ihren Schleier, weil sie tiefes Mitleid mit ihm empfand. Vor allen, aber ist seine Mutter Maria zu nennen, die ihm tief ins Gesicht schaut und all das was geschieht in ihrem Herzen mitträgt.

Diese Frauen habe eine Christusbeziehung gelebt, sie waren bei all dem nicht nur äußerlich dabei, sondern sie haben Jesus verehrt, ihn geliebt und die Treue gehalten. Auch Gott ist ihnen treu geblieben, denn sie sind es, die als erste von seiner Auferstehung erfahren. Es ist mit unserem Osterglauben wir mit der Natur, wir können ihn äußerlich mitfeiern, über uns ergehen lassen oder ganz ausfallen lassen, um nur noch irgendwelchen Bräuchen nachrennen, die irgendwann ausgelutscht sind. Oder wir machen unseren Glauben wieder zu einer Herzensangelegenheit, zur frohen Botschaft für die vielen, die wie die Natur an Ostern nicht mehr aufblühen.

Heute feiern wir Jesu Auferstehung und damit auch unsere eigene, Jesus lebt und mit ihm werde auch ich leben.

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner