Predigtgedanken, 19.03.2018 (Hochfest des Heiligen Josef)

Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

Träume können einen Menschen bis ins Mark treffen. Sie können uns aber auch nachdenklich machen, wenn wir sie verstehen. In der Bibel nutzt Gott oft den Schlaf des Menschen, um ihm im Traum zu begegnen. Bei Josef können wir das immer wieder hören, dass ihm im Traum ein Engel des Herrn erscheint. Aber, und das fasziniert mich an ihm, der einfache Handwerker aus Nazareth stellt nie das Recht an, diese Pläne Gottes in Frage zu stellen, sondern er führt sie treu durch.

Der Name Josef stammt aus der hebräischen Sprache und bedeutet so viel wie: „Gott wird hinzufügen“. Die Träume in Josefs Leben lassen Gott vieles neues hinzufügen. Er soll seine Verlobte, die ohne sein Zutun schwanger ist, bei vielen in Ungnade fällt und ihr Kind behüten und beschützen. Er tut es, vertrauend und fürsorglich! Er muss mit den beiden in ein fremdes Land flüchten. Dafür, dass er das all das tut, nennt ihn die Bibel „einen Gerechten.“ Man würde heute sagen: Einen aufrechten, rechtschaffenden Menschen, der sein hörendes Herz am richtigen Fleck hat.

Josef erfährt das Schicksal des Heimatlosen, des Flüchtlings, des Fremden, der in einem anderen Land, nämlich in Ägyptern, in einer anderen Kultur, sich eine neue Existenz mit seiner Familie aufbauen muss. Josef als Arbeiter weist uns auf die Bedeutung der menschlichen Arbeit hin, als Teilnahme am Schöpfungswerk Gottes. Seinen Glauben sieht er als ein Geschenk an, der von Gott kommt und ihn trägt, innerliche Zufriedenheit gibt. Josef lebt rücksichtsvoll, ja demütig, im Stillen, aber beständig gegenwärtig auch dann, wenn er nicht versteht, was Gott wieder einmal mit ihm vorhat.

Die Menschen mit Liebe zu behüten, jeden Einzelnen, besonders die Kinder und auch die alten und kranken Menschen, das ist auch heute eine wichtige Aufgabe für uns.

Nur ein Wort ist uns indirekt von Josef überliefert, er hat es bei der Namensgebung ausgesprochen und wird uns im Matthäusevangelium angedeutet (Mt. 1,25): Jesus! Dieses eine Wort wird von nun an sein ganzes Lebensprogramm werden: Jesus! Dargestellt wird Josef gerne mit dem Jesuskind an seiner Seite, mit einem Lilienstab in der Hand, Zimmermannswerkzeug oder einem Wanderstab.

Josef stammte von König David ab, dürfte aber in einer verarmten Adelsfamilie geboren worden sein. Wer sich im Judentum verlobte, galt zwar als verheiratet, musste aber noch ein ganzes Jahr warten, bis er mit seiner Frau zusammenziehen durfte. So lange blieb die Braut im elterlichen Haus und meist nutze der Bräutigam diese Zeit, um das gemeinsame Haus zu bauen.

Josef erinnert uns daran, dass es viel wichtiger ist, mit Gott ins Gespräch zu kommen als nur über ihn oder von ihm zu reden. Er erinnert uns daran, dass wir die Menschen zu Jesus führen sollen und nicht mit schönen Worten an ihm vorbeireden. Josef ist einer, der nicht lange fackelt, der keine großen Reden schwingt, einer, der vielmehr zupackt und einfach tut, was notwendig ist.

„Heiliger Josef, du hattest ein großes, liebendes Herz. Du hattest offene Ohren um Gottes Weisungen in deinem Leben wahrzunehmen. Du hattest bereite Hände, die immer wieder am Nullpunkt angefangen haben und keine Arbeit scheuten. In der Stille und im Gebet lag deine Kraft. Du Fürsprecher der ganzen Kirche, lass uns durch dein Vorbild unseren Weg zu Gott finden!“

Amen.



Predigt: Pfarrer Stephan Meßner