Predigtgedanken, 21.01.2018 (3. Sonntag im Jahreskreis)

Jona 3,1-5.10: Das Wort des Herrn erging an Jona: Mach dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde. Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der Herr es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren. Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, groß und klein, zogen Bußgewänder an. Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus.

Markus 1,14-20: Nachdem man Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

Kennen wir nicht alle solche Situationen, in denen über einem die Wellen und Wogen des Alltags zusammengeschlagen sind? Was kann man dann tun? Klagen, über die, die dafür verantwortlich sind oder über Gott, weil er das zulässt? Wäre es nicht gerade dann sinnvoll, Gott um Hilfe zu bitten?

Jona, von dem wir in der Lesung gehört haben, probiert beides aus. Er erhält einen Auftrag, der ihm im Magen liegt. Er soll nach Ninive gehen und den Menschen im Auftrag Gottes drohen, wenn sie nicht umkehren! In der Lesung nicht steht nicht, was das Problem von Ninive war. Das Volk der Assurer, die dort lebten, hatte grausame Eroberungsfeldzüge hinter sich, es galt als die „Achse des Bösen“, durchaus vergleichbar etwa mit dem Auftreten des Islamischen Staates in unserer heutigen Zeit. Vielleicht können wir so besser nachempfinden, warum Jona sich genau in die entgegengesetzte Richtung begibt und nach dem Aufruf Gottes wegrennt.

Doch als die Wellen und Wogen über seinem Leben dann buchstäblich zusammengeschlagen, besinnt er sich und macht sich doch auf den beschwerlichen Weg. Ninive, so lesen wir, ist eine große Stadt, um sie zu durchqueren heißt es, braucht man drei Tage. Die nimmt Jona nicht in Anspruch, nur einen einzigen Tag nutzt er, um die Menschen dort zur Umkehr zu rufen, zu unser sicher ist er, was geschehen wird. Und dann geschieht das Außergewöhnliche, womit er nicht gerechnet hat: Sie kehren tatsächlich um. Die Ursache für ihren Lebenswandel wird uns nicht geschildert, vielleicht bahnte sich schon zuvor eine große Naturkatastrophe an, jedenfalls ist die Mission des Jona ein wirklicher Erfolg.

Liebe Mitchristen, von uns wird Gott sei Dank nicht solch eine Mission verlangt! Aber wenn wir diese Erzählung aus dem Buch Jona und die Aussage Jesu im Evangelium auf uns Menschen herunterbrechen, dann ist das schon provokant genug: „Kehr um und glaub an das Evangelium!“ Sagen sie das einmal heute so unverblümt, dann hält man sie womöglich für Weltfremd, wer will denn so was hören, wer noch umkehren? Jesus sucht deshalb immer den einzelnen Menschen, der ein gläubiges und entschiedenes „Ja“ zu ihm sprechen, er sucht den Menschen, der auf seinen Spuren gehen will.

Er droht nicht gleich mit einer Strafe für alle, er fordert aber ein Umdenken und das mit großen Ernst. Jesus geht es also nicht darum, mit Angst oder Druck mein Leben zu verändern. Aber indem ich ihm auch meine Schwächen und Fehler hinhalte, werde ich bei ihm Heilung und Vergebung finden.

So wird das Evangelium immer zuerst für mich zur „frohen und befreienden Botschaft“, die eine Umkehr in meinem Herzen auszulösen vermag. Und durch mich, wird die dann für andere zur frohen Botschaft, wenn ich am Aufbau des Reiches Gottes mitarbeite, innerhalb und mit der Kirche. Jesus ruft mich aufgrund meine Taufe: „Hilf mit, damit mein Reich in dieser Welt durch dich sichtbar wird!“ Deshalb darf ich mir die Frage stellen: „Herr, folge ich deinem Ruf, oder was hält mich davon ab?“

Ja, es liegt am Einzelnen, die frohmachende Botschaft Jesu weiterzugeben. Freunde reden nicht hinter dem Rücken übereinander, sie verteidigen sich hinter dem Rücken, wenn es sein muss. In dem Maße wie wir unseren Glauben frei und unbefangen in Freundschaft mit Gott leben, wird seine Kirche lebendig, gibt es auch eine Glaubensweitergabe, findet Umkehr statt, oft unbemerkt, wird der Glaube an das Evangelium in unseren Herzen und denen anderer fruchtbar.

Können Menschen bei mir diese frohe und befreiende Botschaft Jesu finden und so zum Glauben an das Evangelium kommen?

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner