Predigtgedanken, 10.12.2017 (2. Adventssonntag)

Markus 1,1-8: Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.



Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Die Adventszeit ist die Zeit der frohen Erwartung und des Aufbruchs, wir gehen in Freude auf das Geburtsfest Jesu zu. Dieses Fest, das wir Weihnachten nennen, feiert die Ankunft Gottes in dieser Welt.

„Die Geburt von Jesus Christus und die Geschichte seines unfassbaren Lebens hat den Lauf der menschlichen Geschichte für immer verändert hat. Es gibt kaum einen Aspekt unseres heutigen Lebens, der nicht von seinem Leben berührt worden ist: Die Kunst, die Musik, die Gesetzgebung und unser Respekt für die geheiligte Würde eines jeden einzelnen Menschen überall in der Welt.“

An Weihnachten geht es nicht darum „was wir haben, sondern wer wir sind: jeder von uns ist ein Kind Gottes.“ Dies ist die eigentliche Quelle der Freude … und dies ist es, was jedes Weihnachtsfest froh macht.

„Wir bitten Gott um Segen für unsere Familie und für unser Land. Und wir beten darum, dass unser Land ein Ort sein möge, wo jedes Kind ein mit Liebe erfülltes Zuhause kennt, eine Gemeinschaft reich an Hoffnung und eine Nation, die mit Glauben gesegnet ist.“ Diese Worte, liebe Schwestern und Brüder, stammen nicht aus der Kirche, sind nicht von einem Bischof oder Pfarrer gesprochen worden. Sicherlich werden sie erstaunt sein, wenn ich Ihnen jetzt sage, dass US-Präsident Donald Trump diese Worte vor einigen Tagen bei seiner ersten Weihnachtsansprache an die Bevölkerung der USA gesprochen hat. Man mag mit seiner Person und seinem Verhalten als Politiker so seine Probleme haben, aber was er hier gesagt hat, das ist beachtenswert.

Je mehr wir erkennen, wer Jesus Christus ist, umso mehr erkennen wir, wer wir selber sind. Einer, dem es ganz wichtig war, auf Jesus Christus hinzuweisen, ist Johannes der Täufer, der uns immer wieder im Advent als sein „Vorläufer“ begegnet. Doch wer von uns gibt sich mit dem Vorläufigen zufrieden?

Ist das nicht zu wenig, wollen wir nicht alles, sofort, jetzt gleich! Johannes erkennt seine eigene Vorläufigkeit, er nimmt sich zurück, damit Christus in den Blick gerät, damit alle, die zu ihm kommen, zu Christus finden können. Er durchbricht dieses krankhafte und übersteigerte Streben, den Druck heute schon etwas verpassen zu können und morgen es nicht mehr zu bekommen. Er entlastet uns als Glaubende, befreit uns von der Angst, alles müsse von mir abhängen, meine Wünsche könnten nicht in Erfüllung gehen, ich würde auf Dauer in dieser Welt nicht wirklich glücklich werden.

„Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Wo hab ich Umkehr nötig, habe ich noch eine Erwartung an Gott für mein Leben?

Adventliche Menschen warten und erwarten für ihr Leben etwas von Gott, sehen Gemeinde und Kirche nicht als Selbstzweck, so nach dem Motto: „Was kannst du mir denn bieten?“ Adventliche Menschen stellen die Frage umgekehrt: „Was kann ich der Kirche als Getaufter und mündiger Christ anbieten, wo kann ich am Reich Gottes mitarbeiten, wo will ich Menschen den Blick auf Jesus Christus hin eröffnen?“ Gerade in diesen Tagen des Advents macht es schon einen großen Unterschied, ob ich Anderen zu Seite stehe, sie besuche, einlade, mit ihnen adventliche Lieder singe, zusammen den Adventskranz anzünde, gemeinsam die Worte Gottes meditiere oder auch einmal in der Stille Zeit mit Gott verbringe und so zum „Vorläufer“ werde.

Oder ob ich mich einfach nur durch die Zeit hindurchquäle und mir dann am eigentlichen Fest möglicherweise die Frage stelle: „War´s das schon wieder?“

Wer gibt den Enttäuschten Hoffnung, den Resignierten neuen Mut, den suchenden Halt? Diejenigen, die „Vorläufer“ sind und durch ihr Auftreten bezeugen: „Dein Leben hat einen Sinn von Gott her, du bist in seinen Augen kostbar, er hat dich erlöst, deine Leben muss nicht mehr ins Leere laufen, das Gottes Reich ist schon angebrochen und es wartet auf dich, ja erwartet dich.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner