Predigtgedanken, 08.10.2017 (27. Sonntag im Jahreskreis)

Philipper 4, 6-9: Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren. Schließlich, Brüder: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht! Was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

Matthäus 21, 33-44: In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie.

Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.



Pfarrer Meßner Liebe Mitchristen,

der Ton ist rauer geworden, die Auseinandersetzungen werden härter geführt. Überall in Deutschland und darüber hinaus mehren sich die Konflikte, gibt es immer mehr Unstimmigkeiten. Und wir Christen, wir reden immer vom Frieden, aber leben wir denn auch in diesem Frieden? Oder was verbinden viele heute mit Kirche, mit Glaube, mit Christentum?

Vor einigen Wochen hat ein ökumenischer Marsch für das Leben in Berlin stattgefunden, an dem vier Bischöfe und rund 7000 Menschen teilnahmen. Die Deutsche Bischofskonferenz und der Nuntius haben im Namen des Papstes dieser Bewegung eine Grußbotschaft zukommen lassen, in dem sie den Menschen ihren geistigen Beistand versicherten. Der Marsch galt dem werdenden Leben, den Menschen mit Behinderung und der Würde alter Menschen.

Eine junge Frau mit Down Syndrom stellte die Frage: „Warum dürfen Menschen wie ich in Deutschland nicht einfach leben? Warum wird bei Menschen wie mir, durch die Feststellung der Möglichkeit auf ein Down Syndrom, eine Abtreibung empfohlen, so dass neun von zehn Kindern vor der Geburt sterben müssen. Haben wir als Menschen dann kein Recht mehr auf ein Leben?

Im Hintergrund hörte man eine genehmigte Gegendemonstration mit Trillerpfeifen, auf der auch der Satz gerufen wurde: „Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“ Diese Gegendemonstrationen wurden auch von demokratischen Parteien, wie den Linken und den Grünen, mitfinanziert. In den öffentlich rechtlichen Medien, für die wir alle zwangsweise Geld zahlen müssen, wurde kein einziger Beitrag über den diesjährigen Marsch für das Leben gezeigt. Im letzten Jahr hatte sich das Satiremagazin „die Heute Show“, die im Zweiten Deutschen Fernsehen läuft, über den Marsch und einige seiner Teilnehmer sogar lustig gemacht.

Mich macht das wütend und es macht mir zugleich auch Angst, weil ich mir die Frage stelle, wo wir als Christen in diesem Land hinsteuern.

In der Lesung aus dem Philipperbrief ruft uns der Apostel Paulus zu: „Sorgt euch nicht, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ Haben sie heute schon sich, ihr Leben, ihre Sorgen, alles was ihr Leben ausmacht, im Gebet dankend vor Gott gebracht? Oder sind sie in der Gewohnheit, Zerstreuung oder Getriebenheit des Tages noch nicht dazu gekommen, um im Gebet vor Gott zu bringen, was ihren Alltag prägt?

Oft tun wir das erst dann, wenn etwas geschieht, meist als Klage gegenüber Gott den wir dann für verantwortlich halten und weniger im Gebet um seine Hilfe bitten: „Warum hat Gott dies und jenes zugelassen?“ Dabei mahnt uns der Apostel Paulus zu ihm in jeder Lage zu beten: „Hilf mir o Gott, hilf uns, hilf denen, die nun in dieser oder jener schweren Lage sind, sei du ihnen in ihrer Not Beistand, Hilfe und Schutz!“

Der Schöpfer erschafft uns Menschen und schließt mit uns einen Bund und zwar nicht aus eigenem Interesse, sondern zum Vorteil für uns, weil er uns eben liebt. Diese Liebe soll aber auch auf Gegenliebe stoßen und wo dies nicht geschieht, erlässt er zum Schutz der Menschen seine Gebote. Aber es beginnen sich immer mehr von ihm und seinen Geboten abzuwenden, sie verehrten nun andere Götter, wissen oft gar nicht mehr, wer ihr Gott ist, was er für sie und ihr Leben bedeutet.

Darum sendet er Propheten, sie alle werden getötet, weil sie unangenehmes sagen, etwa Sätze wie: Kehrt um! Schlussendlich schickt er seinen Sohn, weil er meint, vor ihm werden sie Respekt haben, aber auch ihn bringen sie um.

Dieses Gleichnis ist immer aktuell, auch heute, denn es mahnt uns zur Wachsamkeit, gegenüber einem Typ von Mensch, den es eigentlich schon immer gab und der sich immer wieder an die Stelle Gottes setzen will, sein eigener Herr und Schöpfer spielt.

In Jesu Tod ist uns Erlösung geschenkt, wir brauchen nicht Gott zu spielen, wir können uns und unser Leben ihm anvertrauen und so mit ihm siegen.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner