Predigtgedanken, 30.07.2017 (17. Sonntag im Jahreskreis)

Matthäus 13, 44-46: In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.



Pfarrer Meßner Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

von ganz besonderen Schätzen spricht Jesus im Evangelium, von Kostbarkeiten!

Welches sind die Schätze, die Kostbarkeiten, die uns in der Kirche zur Verfügung stehen? Vielleicht fällt Ihnen dabei zunächst einmal eine prächtig ausgeschmückte Kirche ein, mit schönen Malereilen, Bildern, Vergoldungen und anderem, was man da so vorfinden kann. Auch das sind Schätze, aber neben den äußerlich sichtbaren Schätzen, besitzt die Kirche auch geistige Schätze.

Das ist mir noch einmal bewusster geworden während meines Urlaubs, als ich im Kloster Waghäusel, das bei Speyer liegt, gewohnt habe. Mehrmals wurde ich in diesen zwei Wochen angefragt, ob ich die Krankensalbung spenden könnte. Und in einem Fall hat sich eine Familienmutter danach bedankt, weil sie eine sichtbare Besserung erfuhr. Wertvoll werden diese geistigen Schätze gerade dann, wenn wir ihre Wirkung am eigenen Leib und an der eigenen Seele erfahren können. Die Öle, zu denen auch das Krankensalbungsöl zählt, haben eine geistige Wirkung, durch sie kann Gott uns berühren und heilen. So sprechen gerade Firmlinge nach der Chrisamsalbung oft von einer großen Freude, die sie innerlich empfunden haben. Die Kirche glaubt, dass in diesem Ölen der Heilige Geist wohnt, deshalb werden sie in kostbaren Gefäßen aufbewahrt und gebrauchtes Öl im Osterfeuer verbrannt.

Schon im Alten Testament wurden die Könige und Propheten mit Öl gesalbt, um ihre Berufung von Gott her deutlich zu machen. Wir Christen haben diese Salbung etwa in der Taufe übernommen, weil wir ganz zu Christus gehören. Aber auch ein Diakon, ein Priester und ein Bischof sind gesalbt worden.

Im Kloster Waghäusel steht auf dem Altar ein großes Segenskreuz. Eingearbeitet in dieses Kreuz ist ein kleiner Holzsplitter vom Kreuz Jesu, also eine Reliquie, wie sie auch von Heiligen in unseren Altären eingefügt wurde. Schon in den ersten Jahrhunderten feierten die Christen Eucharistie auf Steinaltären, unter denen die Gebeine eines christlichen Märtyrers lagen. Die Kirche glaubt, dass wir durch die Verehrung solcher Reliquien die Heiligen bei uns haben und so in besonderer Weise in Verbindung mit dem Himmel stehen.

Am Ende der Messe wird in Waghäusel der Wettersegen mit diesem Segenskreuz erteilt. Wenn wir jetzt Eucharistie feiern, dann weil die Eucharistie ein Geschenk Gottes an seine Kirche ist. Das Zweite Vatikanische Konzil hat betont, dass die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche“ ist. Und wo katholische Christen aus dieser Quelle nicht mehr schöpfen, wo sie ihren Glauben nicht mehr praktizieren, etwa am Sonntag der Eucharistiefeier nicht mehr beiwohnen, obwohl es ihnen möglich wäre, da beginnt die Kirche zu sterben. Und auch niederschwellige Angebote werden diesen Prozess nicht aufhalten. Der Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer, hat dazu vor einigen Tagen angemerkt: „Der zukunftsweisende Weg der Kirche kann nicht darin bestehen, ständig an den Strukturen, auch und gerade den sakramentalen Strukturen der Kirche herumzumäkeln, die Botschaft des Evangeliums zu verdünnen und eine Light-Version von Jesus zu verkünden.“ Das wird das Sterben nur in die Länge ziehen!

Es geht um eine Neuevangelisierung, eine Erneuerung aus dem Glauben, damit Menschen in unseren Tagen wieder neugierig werden auf den Glauben, der uns trägt. Das ist mir im Kloster so klar geworden, als bei einem Jugendgottesdienst am Sonntag Abend, nicht die Liturgie verändert oder gekürzt wurde, sondern der Glaube lebendig. Und die Kirche war voll, übervoll, sogar auf der Empore wurden die Plätze ausgefüllt und die Feier der Eucharistie ein wirkliches Glaubenserlebnis.

Amen.



Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bibelanstalt Stuttgart, Predigt: Pfarrer Stephan Meßner